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Generalmajor Dr. Oskar Ritter von Niedermayer

 

Oskar Niedermayer wurde am 08.11.1885 in Freising/Oberbayern geboren und trat nach dem besuch des humanistischen Gymnasiums in Regensburg am 15.07.1909 als Fahnenjunker dem 10. bayerischen Feld-Artillerie-Regiment in Erlangen bei, um Berufsoffizier zu werden.
Nach der Beförderung zum Leutnant am 08.03.1907 begann er neben seinem Dienst ein Studium der Geographie und Geologie an der Universität Erlangen. Seine Bekanntschaft mit persischen Mitstudenten und Angehörigen der Bahai-Sekte, verstärkten sein Interesse an deren Heimatland. So erlernte er deren Sprache und trat der Sekte bei.
Ein Stipendium der Prinzessin Therese von Bayern ermöglichte dem jungen Offizier von 1912 bis 1914 eine wissenschaftlich-politische Forschungsreise nach Persien, Russland und Indien. Im Ergebnis dieser Reisen entstand seine Doktorarbeit mit dem Thema "Die Binnenbecken des Iranischen Hochlandes", die veröffentlicht wurde.
Am 07.01.1914 zum Oberleutnant befördert, zog er als stellvertretender Batterieführer seines Regiments in den Krieg. Nach einem Erkundungseinsatz im Wald von Champenoux erreichte ihn die Aufforderung des Berliner Auswärtigen Amtes an einer geplanten deutsch-türkischen halb diplomatischen, halb militärischen Expedition nach Persien und Afghanistan teilzunehmen. Ziel dieser Expedition war es in beiden Ländern antibritische und antirussische Widerstandsbewegungen zu fördern, den Emir von Afghanistan zu einem Bündnis mit Deutschland zu bewegen und von Afghanistan aus, indische Nationalisten im Kampf gegen die Engländer zu unterstützen.
Das Bayerische Kriegsministerium und die Oberste Heeresleitung stellten Niedermayer dafür ab. Er traf am 13.12.1914 in Aleppo (Syrien) mit dem Rest des Expeditionsgepäcks mit den anderen Teilnehmern zusammen. Zu den Mitgliedern gehörte der später im Kampf gegen die Briten äußerst erfolgreiche Konsul Wilhelm Waßmuß. Weiterhin gehörten dazu ein Vertreter der Forma Mannesmann, ein Kunstmaler, der Bruder Niedermayers, Dr. Fritz Niedermayer als Expeditionsarzt und nur wenige Berufsmilitärs. Weiterhin entsandte das Auswärtige Amt eine 2. Expedition unter Legationssekretär Werner Otto von Hentig, deren Zielsetzung nicht eindeutig von der Niedermayer-Expedition abgegrenzt war.
Trotz verschiedenster Schwierigkeiten (Deutsche Botschaft in der Türkei, Deutsche Gesandte in Teheran, der türkische Expeditionsleiter Reif Bey) schaffte man dennoch die rund tausend Kilometer bis nach Kabul, was man eindeutig der Leistung Niedermayers zuschreiben konnte. Am 03.04.1915 überschritt man die türkisch-persische-Grenze, durchbrach am 19./20. 08.1915 die britischen Sperren bei Birsched und drang bis nach Hierat in Nordwestafghanistan durch. Schließlich gelang man am 01.10.1915 bis vor die Tore Kabuls, wo Niedermayer viele zähe Gespräche mit dem Emir Habibullah und dessen Bruder Nasrullah Chan führte.
Am 21.05.1916 musste man Kabul verlassen, einerseits weil sich die Kämpfe an der türkischen Mesepotamienfront als kritisch darstellten und andererseits der Druck des britischen Vizekönigs auf den Emir zunahm. Ausserdem weigerte sich der Emir in den Krieg gegen England einzusteigen, sofern man nicht bestimmte Vorraussetzungen schuf.
Die Expedition Hentigs schloss sich mittlerweile Niedermayer an und man trat den Rückmarsch an. Man teilte sich, wobei Hentig den Marsch über das Hochland von Pamir, durch China und danach den Umweg über die USA nach Berlin schaffte. Niedermayer hingegen wählte den Weg durch Russisch-Turkestan, die Karakum-Wüste und Nordpersien. Er erreichte die Etappenstadt Kirmanschah an der großen Strasse Teheran-Bagdad, wo er sich beim türkischen Befehlshaber meldete und freundlich begrüßt wurde. Mittlerweile war er bereits zum Hauptmann befördert worden und erhielt den Max-Joseph-Orden, die höchste militärische Auszeichnung Bayerns. Mit der Verleihung dieses Ordens war gleichzeitig der Adelsstand verbunden, somit nannte sich Niedermayer fortan Oskar Ritter von Niedermayer.
Mitte Februar 1917 reiste er nach Berlin, um dort dem 1. Generalquartiermeister Ludendorff im Großen Hauptquartier Bericht zu erstatten. Dort wurde er dann am 28.06.1917 in den "Generalstabsdienst im Orient" versetzt und dem Heeresgruppenkommando F z.b.V. zugewiesen. So nahm er an den Kämpfen in Westpersien, im Irak, in Süd- und Westpalästina teil und stand als Generalstabschef eines militärischen Expeditionskorps bei einem Vorstoß gegen die Hedschas-Bahn dem legendären Oberst Thomas Edward Lawrence gegenüber.
Am 11.05.1918 erhielt Niedermayer ein neues Kommando im Stab des III. Bayerischen Armeekorps in Europa und erlebte das Kriegsende als 2. Generalstabsoffizier der 8. Reservedivision.
Als Mitglied des Bayerischen Schützenkorps von Epp nahm er an der Befreiung Münchens und Nürnbergs teil und schloss schließlich am 28.08.1919 seine geographischen Studien mit der Promotion zum Doktor der Philosophie in München ab.
!920 wurde er in die Reichswehr übernommen und tat ab dem 01.06.1920 als Adjutant des Reichswehrministers Dr. Geßler Dienst. Am 01.08.1922 wird er der Heeres-Friedens-Kommission zugeteilt.
Am 01.08.1922 schied im Range eines Majors aus dem aktiven Dienst aus. Er diente der Reichswehr jedoch weiter als Vertreter der deutschen Wirtschafts- und Rüstungsinteressen in der Sowjetunion, wo er bis 1931 getarnt als "Professor" lebte. Anfang 1928 wurde ihm die Oberleitung der drei in der Sowjetunion befindlichen "Versuchsstationen" (Lipezk, Kasan, Saratow) übertragen, wo sich bis 1933 die Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee abspielte.
Am 01.05.1932 kehrte er als Major in die Reichswehr zum 2. (Preußischen) Artillerieregiment unter gleichzeitiger Kommandierung zur Kommandantur nach Berlin, zurück. Hier wurde er am 01.10.1931 zum Oberstleutnant befördert und nahm am 31.01.1933 erneut seinen Abschied, um eine Universitätslaufbahn einzuschlagen.
Am 31.07.1933 habilitierte er an der Berliner Universität für das Fach Geographie "mit besonderer Berücksichtigung der Wehrgeographie", wurde am 13.09.1936 ordentlicher Professor und am 28.01.1937 Direktor des Instituts für allgemeine Wehrlehre an der Universität Berlin, das aus Mitteln der Wehrmacht finanziert wurde.
Ab 01.10.1938 wurde er zugleich Oberst beim OKW und versuchte ab Kriegsbeginn 1939 ein Truppenkommando zu erhalten. Was ihm jedoch erst am 01.09.1942 erfüllt wurde, als er zum Generalmajor befördert, das Kommando über die 162. (Turkvölkische) Infanteriedivision übernahm. Die Division diente inoffiziell als "Aufstellungs- und Ausbildungsstab für ausländische Freiwilligen-Verbände aus sowjetrussischen Kriegsgefangenen". Sie stand somit als parallele Instanz zu dem in Radom (Polen) stationierten Stab der Ostlegionen unter Generalmajor Ralf von Heygendorff. Eine reine Einsatzdivision wurde sie erst ab dem 21.05.1943.
Am 15.08.1944 kam es zur Aufstellung eines 3. Regiments aus den aserbaidschanischen Feldbataillonen 804 und 806 und dem Divisionsbataillon 162.Zu diesem Zeitpunkt hatte Niedermayer aufgrund des Betreibens des Generalfeldmarschalls Kesselring die Führung der Division abgegeben, da sich die Division im heimatfernen Italien nicht bewähren konnte.
Am 21.05.1944 wurde Niedermayer zum Kommandeur der Osttruppen z.b.V. beim Oberbefehlshaber West ernannt. Hier machte er im engeren Kreise seines Stabes eine Bemerkung hinsichtlich der schlechten Lage  an der Ostfront. Daraufhin wurde Niedermayer, in NSDAP-Kreisen als Russlandfreund und "Defätist" geltend, verhaftet und ins Wehrmachtsgefängnis nach Torgau verbracht. Aufgrund der Kriegsentwicklungen blieb ihm ein sicheres Todesurteil vor dem Volksgerichtshof erspart und er wurde von den Amerikanern befreit.
Über Karlsbad versuchte er durch die russisch besetzten Gebiete nach Regensburg zu gelangen, wurde dabei aufgegriffen und in das Moskauer Lubjanka-Gefängnis verschleppt.
Letzte Lebenszeichen berichteten die Mitgefangenen der Rundfunkmoderator Hans Fritsche und der Gesandte Dr. Fritz Grobba. 1948 wurde Niedermayer zu 25 Jahre Zwangsarbeit verurteilt.
Dr. Oskar Ritter von Niedermayer starb am 25.09.1948 nach schmählicher Behandlung 63jährig im Gefängnis in Wladimir.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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