Georg Thomas wurde am 20.02.1890 in Forst in der Lausitz
als Sohn eines Fabrikbesitzers geboren, bestand im Jahre 1908 sein Abitur an
der Oberrealschule Weißenfels und trat am 02.09.1908 der Armee bei. Sein
militärischer Werdegang ist mehr oder weniger unklar. Mit Dienstantritt
gehörte er zumindest dem 4. Oberschlesischen Infanterie-Regiment Nr. 63, in
Oppeln bzw. Lublinitz an, mit dem er als Berufsoffizier und u.a. als Zugführer
und Bataillonsadjutant höchstwahrscheinlich auch um 1. Weltkrieg teilnahm.
Weiterhin übernahm er im Krieg den Posten eines Bataillons- bzw.
Regimentsadjutanten an der Westfront und wurde 1917 in den Generalstab
berufen, in den er dann 1918 auch versetzt wurde.
Mit Ende des Krieges ist er zweitweise der Verbindungsoffizier beim
Reichs- und Staatskommissar für das Abstimmungsgebiet Ostpreußen und beim
Grenzschutz in Schlesien und Ostpreußen.
Am 01.01.1921 wird er als Kompaniechef im Infanterie-Regiment 2 in Allenstein
in die Reichswehr übernommen und ab 1922 in der Kommandantur in Königsberg
eingesetzt. Im Jahre 1924 wechselt er in den Generalstab der 4. Division, wo
er u.a. mit Ludwig Beck, Olbricht und Oster zusammentraf.
Am 01.11.1927 kommt er in das Heereswaffenamt beim Reichswehrministerium in
Berlin. Dort übernimmt er, als Major, im Jahre 1930 den Posten des Chef des
Stabes.
Ab dem 01.11.1934 ist er Chef des Wehrwirtschafts- und Waffenwesens im
Wehrmachtsamt des Reichswehrministeriums und übernimmt ab dem 01.10.1935 die
Leitung einer Amtsgruppe im Wehrwirtschaftsstab des Oberkommandos des Heeres.
Bereits im Jahre 1936 prophezeite er anlässlich der 5. Tagung der
Reichsarbeitskammer im Falle eines "totalen Krieges" Anforderungen an
das deutsche Volk, wie sie bisher nicht mal vorstellbar waren. Thomas vertrat
zwei entscheidende Wirtschaftsfragen. Zum einen setzte er sich für die "Breite
der Rüstung" ein. Dies bedeutete die Grundlagen zu schaffen, die Wehrmacht
im Falle eines Krieges zu vergrößern, sowie weiterhin die Idee der "Tiefe
der Rüstung". Damit wurden Vorkehrungen getroffen die Wehrmacht, nach
deren Vergrößerung, auch versorgen zu können. Hitler hingegen sah keine
Veranlassung dafür die Rüstung zu vertiefen, da nach seiner Theorie
Blitzkriege keine "Tiefe" benötigten.
Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wird er zum Chef des Wehrwirtschafts- und
Rüstungsamtes im Oberkommando der Wehrmacht ernannt. Daneben ist er Mitglied
im Aufsichtsrat der Kontinentale Öl AG und von 1941 bis 1942 bei den
Reichswerken Hermann Göring. Kurz vor Beginn des Feldzuges gegen die
Sowjetunion publizierte er eine Studie über die wirtschaftlichen Aspekte
eines Feldzuges im Osten. Ihm war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, daß die
deutschen Kräfte nicht im geringsten ausreichen würden, diesen riesigen Raum
auch nur ansatzweise zu beherrschen, womit zum Teil große Gebiete sich selbst
überlassen bleiben mussten und damit hunderttausende Menschen verhungern
mussten.
Ab dem 20.11.1942 wird er in die Führer-Reserve versetzt, da die
wirtschaftlichen Aspekte mehr und mehr in die Hände Albert Speers übergingen,
wo Thomas als Offizier für Rüstungsfragen zumindest eine Beschäftigung fand.
Im Januar 1943 bat er Keitel um die Entlassung als Chef des
Wehrwirtschaftsamtes. Dieser Entlassung wurde entsprochen und Thomas erhielt
einen Posten als General zbV. 1 beim Chef des OKW, wo er sich größtenteils der
Aufarbeitung der Geschichte der deutschen Wehrwirtschaft widmete.
Als alter Kamerad seines früheren Vorgesetzten Ludwig Beck, hatte sich Thomas
bereits früh mit dem deutschen militärischen Widerstand verbunden gezeigt und
aktiv an Planungen eines Militärputsches teilgenommen. Mit dem gescheiterten
Attentat auf Hitler am 20.07.1944 fielen der Gestapo auch die alten Pläne von
1938/29 in die Hände und Thomas wurde am 11.10.1944 verhaftet. Im Zuge dieser
Verhaftung wird er am 01.01.1945 mit Wirkung zum 30.04.1945 aus dem Dienst
verabschiedet, unter Aussetzung der Berechtigung zum Tragen der Uniform bis
auf Weiteres. Bis Februar 1945 wird er in der Gestapo-Zentrale in der Berliner
Prinz-Albrecht-Straße verhört.
Ab Februar 1945 befindet er sich zusammen mit Halder, Canaris, Oster und Sack
im KZ Flossenbürg und ab April 1945 im KZ Dachau. Von dort wurde Thomas
zusammen mit weiteren 130 so genannten Sonder- und Sippenhäftlingen am
24.04.1945 verladen und in Richtung "Alpenfestung" abtransportiert.
Unter der Leitung von SS-Obersturmführer Edgar Stiller und dem
SS-Untersturmführer Bader, die auch den Befehl hatten die Häftlinge ggf. zu
erschießen, erreichte man über Innsbruck und dem Brenner Südtirol. Am
28.04.1945 erreichte der Transport Niederdorf im Pustertal. Ein Komitee aus
Häftlingen brachte die SS-Bewacher am 30.04.1945 dazu, aufzugeben und den
Befehl über die Häftlinge an die Wehrmacht unter dem Befehl des Hauptmanns
Wichard von Alvensleben abzugeben. Am 04.05.1945 wurden sie dann von
amerikanischen Truppen endgültig befreit und Thomas zunächst in Gewahrsam
genommen.
Mitte Juni gelangte er nach Wiesbaden und wurde dort in das ehem.
Offiziers-Erholungsheim in Falkenstein/Taunus verlegt, um dort eine schwer
schmerzende Nevenentzündung behandeln zu lassen. Dennoch verstarb er am
29.12.1946 in Frankfurt am Main. Einige seiner Schriften wurden in den
Nürnberger Prozessen als Beweismittel verwendet.