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Generaladmiral Karl Witzell

Wie Großadmiral Raeder (geboren 1876) und die Generaladmirale Albrecht (1880), Saalwächter (1883), Boehm (1884), Schultze (1885), Marschall (1886), Schniewind (1887) und Carls (1889) gehört der langjährige Chef des Marine-Waffenamtes, Generaladmiral Karl Witzell, zu der vor 1890 geborenen älteren Generation der höchstrangigen deutschen Marineoffiziere des II. Weltkrieges.
Kar1Witzell wurde am 18. Oktober 1884 in Berlin geboren.
Am 1. 4. 1902 trat er in die Kaiserliche Marine ein und nahm als junger Offizier des Kreuzergeschwaders in den Jahren vor dem I. Weltkrieg an mehreren Auslandsreisen in den Atlantischen Ozean, ins Mittelmeer und nach Ostasien teil. Dort tat er mehrere Jahre als Adjutant bei der Matrosenartillerie-Abteilung im damaligen deutschen Pachtgebiet Kiautschou an der chinesischen Küste Dienst
.
Bei Kriegsausbruch im Jahre 1914 war Witzell zunächst als Kapitänleutnant III. Artillerieoffizier auf dem Linienschiff SMS »OLDENBURG«. Am 31. Mai 1916 nahm er als I. Artillerieoffizier auf dem Kreuzer »ELBING« an der Skagerrakschlacht teil, der einzigen großen, aber nicht kriegsentscheidenden Seeschlacht des I. Weltkrieges, nach der sich beide Parteien - Deutsche wie Engländer - als Sieger fühlten, 21 deutschen Großkampfschiffen und Schlachtkreuzern unter Admiral Scheer (1863 bis 1928) standen damals 37 Großkampf schiffe der britischen Flotte unter Admiral Jellicoe (1859 - 1935) gegenüber
. Die feindlichen Flotten brachten zusammen zwei Millionen Gewichtstonnen sowie 600 schwere Geschütze auf und fügten sich gegenseitig Schiffsverluste in Höhe von 60.000 t auf deutscher und 116.000 t auf britischer Seite bei, etwa 2400 deutsche und 6700 englische Seeleute fanden in diesen wechselvollen Tag- und Nachtgefechten den Tod.
Es waren damals Witzells Geschütze auf der »ELBING«, die mit wohlgezielten Salven auf den britischen Kreuzer »GALATEA« jene denkwürdige Mammutschlacht einleiteten.
Die beiden letzten Kriegsjahre 1917/18 verbrachte Kapitänleutnant Witzell auf dem Kleinen Kreuzer »GRAUDENZ« wiederum als 1. Artillerieoffizier.
Nach Einstellung der Kampfhandlungen gehörte er der deutschen Marine-Friedenskommission an und versuchte vor allem, in den Verhandlungen mit den bisherigen Gegnern möglichst viel für die artilleristischen Verteidigungsmöglichkeiten der deutschen Küsten herauszuholen
.
Seine artilleristischen Erfahrungen und Interessen stellte er danach in den Dienst der Reichsmarine, wobei langjährige Tätigkeiten in der Marine-Waffenabteilung gelegentlich durch Bordkommandos auf den Linienschiffen »BRAUNSCHWEIG« und »SCHLESWIG-HOLSTEIN« - hier als Kommandant - unterbrochen wurden
.
In der Berliner Marineleitung war Witzell zunächst als Dezernent in der Waffenabteilung, dann als Abteilungsleiter, Chef des Marine-Waffenamtes, Präsident des Neubauausschusses beim Oberkommando der Kriegsmarine und schließlich als Hauptamtsleiter der Marine-Waffenämter an verantwortlicher Stelle eingesetzt.
Er hatte damit einen ganz entscheidenden Einfluss auf Entwicklung und Konstruktion der Marinewaffen - vor allem der Artillerie, an Bord wie an Land - ausgeübt und auch wesentliche Voraussetzungen für den planmäßigen Ausbau der kleinen Reichsmarine nach Wiedergewinnung der deutschen Wehrhoheit im Jahre 1935 geschaffen.
Ihm schreibt man zum Beispiel auch das Hauptverdienst an der Panzer- und Artillerieanordnung der modernen deutschen Schlachtschiffe des II. Weltkriegs zu.
Zu seinem Aufgabenbereich gehörten aber auch Torpedos, Minen und Nachrichtenmittel im Hinblick auf Entwicklung, Konstruktion, Beschaffung und rüstungsmüßige Bewirtschaftung
.
Dieser hohen Verantwortung und Leistung entsprachen schnelle Beförderungen. 1933 war der Anfang der zwanziger Jahre zum Korvettenkapitän (Major) aufgestiegene Marine-Waffenspezialist noch Konteradmiral, wurde am 1. 12. 1935 mit einundfünfzig Jahren - zum Vizeadmiral befördert und knapp zwei Jahre später bereits zum Admiral (l. 11. 1937)
.
Bald nach Ausbruch des II. Weltkriegs erreichte er mit der Berufung zum »Hauptamtschef der Marine-Waffenämter im Oberkommando der Kriegsmarine« am 9. 11. 1939 den Gipfel seiner soldatischen Laufbahn. In dieser Funktion amtierte er noch drei Jahre - seit 1. 4.1941 als Generaladmiral -, ehe er einige Monate nach seinem vierzigjährigen Dienstjubiläum (l. 4. 1942) am 31. 8. 1942 aus dem aktiven Dienst ausschied.
Er wurde in den Präsidialrat des Reichsforschungsrates berufen und schließlich am 5. 10. 1942 »in Anerkennung seiner hohen Verdienste um die Waffenentwicklung und Rüstung der Deutschen Kriegsmarine« mit dem Ritterkreuz des Kriegsverdienstkreuzes mit Schwertern ausgezeichnet, das außer ihm auch die Generaladmirale von Friedeburg und Warzecha trugen
.
Ein ungetrübtes, behagliches Pensionärdasein war aber dem knapp sechzigjährigen Generaladmiral a. D. noch keineswegs beschieden, nach der Eroberung Berlins durch die Rote Armee wurde Witzell vielmehr als Kriegsgefangener in die Sowjetunion verschleppt und dort wegen »Kriegsverbrechen« zu langjähriger Haft verurteilt
.
Erst im Oktober 1955 konnte er als inzwischen Einundsiebzigjähriger aus dem Generalslager Woikowo heimkehren. Er war der Rangälteste unter den Spätheimkehrern aus jenem Lager.
Als fünf sowjetische Generale ihm und seinen Kameraden am 1. 10. 1955 nach dem Adenauerschen Moskaubesuch die bevorstehende Entlassung bekanntgaben, erwiderte Witzell darauf mit folgender Ansprache:

»Wir haben die Verfügung des Präsidiums des Obersten Sowjets zur Kenntnis genommen. Trotz der schweren seelischen Belastung, unter der wir stehen und die auch durch Ihre heutige Mitteilung nicht behoben ist, wollen wir über Vergangenes schweigen. Wir erwarten, daß die deutsche Bundesregierung sich unserer Ehre annimmt. Wir freuen uns, daß wir nun endlich Vaterland und Familie wiedersehen werden. Schmerzlichen Abschied nehmen wir von vielen treuen Kameraden, die hier   in fremder Erde ruhen. Wir sind überzeugt, daß ihre Gräber in Ehren gehalten und gepflegt werden. Wir begrüßen die Verminderung der Spannungen und alle Bemühungen, die einen guten und gerechten Frieden bringen. Unser Wunsch ist, daß unser deutsches Vaterland bald als selbständiger, souveräner Staat wieder vereinigt werde.«,

Diese würdigen Worte sprach nicht ein gebrochener alter Mann.
Am Geschehen in der Bundesrepublik Deutschland nahm er insofern tätigen Anteil, als er zu den Mitbegründern der »Arbeitsgemeinschaft (später > Deutschen Gesellschaft <) für Wehrtechnik« gehörte und Mitglied ihres ersten Präsidiums war.
Generaladmiral a.D. Karl Witzell starb 1976 in seiner Geburtsstadt und Hauptwirkungsstätte Berlin, im hohen Alter von zweiundneunzig Jahren.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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