König Ludwig XIV. von Frankreich hob den
kleinen Prinzen aus der Taufe und gab ihm den Namen Ludwig, doch der Knabe
zeigte später wenig Dankbarkeit gegen seinen Paten, er schlug als er schon
kaiserlicher Feldmarschall war - immer wieder dessen Heere, Ironie der
Geschichte, dass von den drei Feldherren, die dem "Sonnenkönig" am
meisten zusetzten, zwei geborene Franzosen waren: Ludwig
Wilhelm von Baden und Prinz Eugen von Savoyen,
aber auch der dritte, der Herzog von Marlborough,
hatte seine militärische Laufbahn als Fähnrich in der französischen Garde
begonnen
die Ehe zwischen dem badischen Erbprinzen Ferdinand Maximilian und der schönen Louise Christine, einer Prinzessin von
Savoyen-Carignan, der am 08.April 1655 der Prinz
entspross, hatte Ludwig XIV. gestiftet, aber da
die Prinzessin eine überzeugte Französin war, blieb dem Badener nichts anderes
übrig, als seinen Sohn im Alter von drei Monaten von Paris nach Baden zu
entführen, Ludwig Wilhelms Schulbildung soll
nicht allzu gründlich gewesen sein; dafür steckte man ihn frühzeitig in eine
Uniform und gab ihn zu dem besten militärischen Lehrmeister, den es damals
gab, dem kaiserlichen Heerführer Raimondo Montecuccoli
er war schon am 27.Juli
1675 bei jenem denkwürdigen Vorpostengefecht bei Sasbach dabei, wobei
der französische Marschalle Turenne durch einen
einzelnen Kanonenschuss fiel, im folgenden Jahr meldete er sich bei der
Belagerung von Philippsburg - entgegen strengem großväterlichem Verbot
freiwillig zum Sturm auf die von den Franzosen verteidigte Reichsfestung, an
seiner Seite fiel damals sein Vetter Friedrich von
Württemberg, und so verlieh der Kaiser dem Prinzen Ludwig dessen
Regiment, er war mit 21 Jahren Oberst
1678 bekam er den
Auftrag, ein französisches Streifcorps bei Stauffen-Breisgau anzugreifen, er
galoppierte voran, aber seine Leute folgten nicht, so hieb er ganz allein den
feindlichen Kommandeur nieder, kam ins Gedränge, wurde mehrfach verwundet und
erreichte auf blutigem Pferd schließlich wieder die eigenen Reihen, 1682 wollte man den vornehmen Prinzen zum
kaiserlichen Oberkammer-Richter in Regensburg machen, doch der hatte
inzwischen in Baden die Herrschaft nach seinem Großvater übernommen und es
vorgezogen, wieder in kaiserliche Dienste zu treten.
Leopold I. machte ihn zum Feldmarschalleutnant
unter dem Oberbefehl des Herzogs von Lothringen
kämpfte er nun gegen die Türken bei Neuhäusel (heute Novy Zamky), Raab und
Pressburg, seine große Stunde schlug am 12. September
1683, als das christliche Entsatzheer die Türken vor Wien schlug und er
mit seinem Dragonerregiment "Savoyen" die Laufgräben vor der belagerten
Stadt vom Feind säuberte, im übrigen fiel ihm auch der formelle Entsatz Wien
und er zog "mit Pauken und Trompeten" als erster durchs Tor
Ludwig Wilhelm war eine imponierende
Erscheinung, er war verwegen besaß aber auch politischen Sinn, militärische
Führerqualitäten und diplomatisches Geschick, er war ein prunkliebender
Barockmensch, selbstbewusst, bis zur Selbstherrlichkeit, er wusste, wer er war
und pochte auf jede Ehrung, ihm zustand, warf mit dem Geld herum - und hatte
daher meist keines
in Verfolgung des türkischen Heeres siegte er
bei Parkany und eroberte die Festung Cran; der dankbare Kaiser beförderte ihn
zum General der Kavallerie. In der "kayserlichen Feldtarmee" führte Ludwig dann jeweils den linken Flügel in den
Gefechten bei Visegrad, Waizen und in der wilden Reiterschlacht von Hanzalek,
100 Tage lang belagerte er Ofen (Buda), die alte Hauptstadt Ungarns, bis das
Wechselfieber und die Ruhr ausbrachen und das Heer dezimierten, erst ein Jahr
später, Ludwig Wilhelm war schon zum zweiten Mann
in der Führung der kaiserlichen Truppen aufgestiegen, gelang es den
Reichstruppen, zu denen noch Kontingente aus Bayern, Brandenburg, Sachsen,
Schwaben, ja sogar aus Schweden gestoßen waren, die starke Festung zu erobern, Ludwig trug, ebenso wie sein Cousin, der
23jährige Prinz Eugen von Savoyen, beim Sturm
Verwundungen davon, es war damals eben noch üblich, dass die Befehlshaber ihre
Truppen persönlich anführten, drei Obristen starben beim Sturm mit der Waffe
in der Hand: Spinola,
d'Asti und Magni, die Sieger erbeuteten
215 Geschütze, Schmuck, Edelsteine und prachtvolle türkische Waffen
mit mehr als 100000 Mann unternahm der Markgraf
noch im selben Jahr (1686) einen Streifzug in das Gebiet zwischen Donau und
Drau, er siegte bei Fünfkirchen (Pecs), Siklos und bezwang das stark
befestigte Kaposvar, im Dezember erhielt er den Marschallstab, zusammen mit
dem Lothringer entschied er am 12. August 1687
die Schlacht bei Mohacs am Berge Harsany, wo schon einmal - 150 Jahre vorher
ein christliches Heer den Osmanen gegenübergestanden hatte, von der überaus
reichen Beute, die man im Türkenlager vorfand, berichtet das "Theatrum
Europaeum", eine zeitgenössische Publikation, dass " auch die gemeinen
Musquetiers die Ducaten in den Hüten trugen und die jungen Weiber mehr Goldes
und Geldes nahmen, als sie ertragen konnten, denn ohngeachtet, dass ein Maß
Wein einen Reichsthaler galt, haben doch die Soldaten einander tapffer
zugetrunken..."
anschließend überschritt der Feldmarschall mit
einem kleinen Corps bei Brod die Save, um in das nördliche Bosnien
vorzudringen, bei Dervent stellten sich die Paschas zum Kampf, deren Streiter Ludwig optimistisch auf 7000 Mann schätzte, aber
als sie anritten, stellte sich heraus, dass es mindestens 15 000 waren, schon
schwärmten die Sipahis aus, und so blieb dem Markgrafen nichts anderes übrig,
als den fünffach überlegenen Feind anzugreifen, mit wildem Mut fochten die
Kürassiere, das Beispiel ihres Führers vor Augen, der im dichtesten Gewühl
kämpfte, sie schienen verloren, da sammelte Graf Castell
geistesgegenwärtig noch eine Abteilung Dragoner und entschied durch einen
kühnen Flankenstoß das Gefecht zugunsten der Kaiserlichen, von nun an hieß Ludwig Wilhelm bei seinen Soldaten der "Türkenlouis"
doch trotz dieser Erfolge wurde die
militärische Lage jetzt immer schwieriger, weil Ludwig
XIV. in seinen "Raubkriegen" immer dreister über den Rhein griff
und Kaiser und Reich einen Zweifrontenkrieg gegen den "hallerchristlichen"
König von Frankreich und dessen islamischen "Kettenhund", den
türkischen Sultan, führen mussten und während der "Türkenlouis" die
Osmanen bei Nissa (Nisch) in einer gewagten Umfassungsoperation schlug,
verwüstete der französische Marschall Melac die Pfalz, legte Heidelberg in
Schutt und Asche, verbrannte Mannheim und zerstörte auch Ludwigs Schloss
Baden-Baden, Karl von Lothringen ging daher an
den Rhein, und der Markgraf erhielt den alleinigen Oberbefehl auf dem
östlichen Kriegsschauplatz, bei Kronstadt schlug er die Tataren und rettete
Siebenbürgen, das schöne Land blieb danach 230 Jahre lang eine blühende
Provinz des Habsburgerreiches, bewohnt von fleißigen deutschen Menschen,
Siebenbürgern, Sachsen und Donauschwaben
1691 kamen die
Reichskontingente und vereinigten Kreistruppen wieder in das östliche "Kriegstheater"
zurück, so dass der Türkenlouis im Juli mit 55 000 Mann ins Feld gehen konnte,
während der kaiserliche General Veterani und
seine 12 000 Soldaten Siebenbürgen sicherten und 18 000 Kaiserliche in den
oberungarischen Festungen lagen, bei Szlankamen, gegenüber der Mündung der
Theiß in die Donau, erwartete der Markgraf am 19.August
den Angriff von mehr als 100 000 Osmanen, gegen drei Uhr nachmittags begann
der Kampf, der rechte Flügel der Deutschen wurde zweimal unter schwersten
Verlusten zurückgeworfen, schwer verwundet griff Guido
Starhemberg zum dritten mal an, vergeblich, gewaltige türkische
Reitermassen wälzten sich heran, die Situation wurde bedrohlich, als die
türkische Donauflottille nun auch den deutschen Nachschub abschnitt, da ließ
der "Türkenlouis" die letzte Reserve, drei Regimenter Kürassiere und
zwei Regimenter Dragoner, antraben und führte sie persönlich gegen die
Nordflanke der Türken, das gab dem Fußvolk neuen Mut, und von allen Seiten
angegriffen, löste sich das islamische Riesenheer in wilder Flucht auf, 20 000
Türken waren gefallen, darunter der Großwesir und alle Paschas, unter der
reichen Beute fanden sich auch 54 schwere Goldkisten, aber sie enthielten,
welche Enttäuschung, nur Kupfermünzen ...
in der Folge eroberten sie noch Großwardein und
Gradisca, doch nun konnte der Kaiser nicht mehr anders und musste dem
Markgrafen, der inzwischen die höchste Rangstufe im kaiserlichen Heer -
Generalleutnant (damals über dem Feldmarschall, 6 Personen trugen diesen Rang
im Habsburgreich) - erreicht hatte, den Oberbefehl im Westen übergeben, Ludwig Wilhelm hatte inzwischen die Herzogin Franziska Sybilla von Sachsen-Lauenburg
geheiratet und begann nach seiner Rückkehr mit dem Ausbau fester Lager für die
Kreistruppen und befestigter Linien am Oberrhein und im Schwarzwald, nach
seinem Strategischen Konzept entstanden die Schwarzwaldlinie, die von
Säkkingen über den Spessart bis zum Hohen Asperg verlief, die Stollhofener
Linie von Fort Louis bis Bühl und die linksrheinische Moderlinie mit dem
Stützpunkt Hagenau, inmitten dieses Netzes von Verteidigungslinien ließ er
sich sein neues Residenzschloss Rastatt errichten, einen Prunkbau im Stil von
Versailles, entworfen von dem italienischen Architekten
Rossi
sein militärischer Auftrag, den deutschen
Südwesten vor der permanenten französischen Bedrohung zu schützen, war nicht
leicht, denn er führte ja nur die "Kreistruppen", ein bunt
zusammengewürfeltes Heer aus kleinen und kleinsten Einheiten aus allen Teilen
des Reiches, nach der "Reichskriegsverfassung" von 1681 unterschied man die "armierten" und
die "nichtarmierten" Städte, worunter man Fürstentümer verstand, deren
Truppen entweder unter ihrem eigenen oder dem gemeinsamen Oberbefehl des
Reichsheeres eingesetzt wurden, immerhin wirkte der militärische Ruf des "Türkenlouis"
so nachhaltig, dass die Franzosen sofort Heidelberg aufgaben und sich über den
Rhein zurückzogen, als er erschien
im
Auftrag Kaiser Leopold I. verhandelte der
Markgraf in den folgenden Jahren in London mit König Wilhelm III. sehr
erfolgreich um Hilfsgelder und Truppen, nebenbei bewarb er sich auch um die
Krone Polens, als König Sobieski 1696 starb, Prinz Eugen
und Franois Conti waren seine Mitbewerber ‑ doch
das Rennen in dem polnischen Wahlkönigtum machte schließlich August der Starke, der Kurfürst von Sachsen,
der sich die Sache immerhin 10 Millionen Gulden Bestechungsgelder hatte
kosten lassen
nach dem
Frieden von Ryswijk (1697) beschäftigte sich Ludwig
Wilhelm mit dem Wiederaufbau seines geplünderten Landes, als vier Jahre
später der "Spanische Erbfolgekrieg" ausbrach, wurde er nicht nur
Befehlshaber "aller Kriegsvölker in den Erblanden wie im Reich und im
Herzogtum Savoyen", sondern auch "Reichsfeldmarschall", drei Monate
lang belagerte er mit dem ihm unterstellten Reichsheer die Festung Landau, die
der grausame Melac verteidigte, zur Übergabe der
Festung, bei der es der französischen Besatzung gestattet wurde, ehrenvoll ‑
das heißt mit "klingendem Spiel, fliegenden Fahnen, geladenem Geschütz und
brennender Lunte" ‑ abzuziehen, war sogar Kaiser
Leopold aus Wien angereist, es wurde ein bombastisches
Militärspektakel, ganz nach dem Geschmack der Zeit, ein paar Tage später
überschritt der französische Marschall Villars
den Rhein bei Hüningen, um sich mit seinem neuen Verbündeten, dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, zu vereinigen, am 14.Oktober 1702 stellte
Ludwig die Franzosen bei Friedlingen, die deutsche Reiterei erlitt
schwere Verluste, aber die Infanterie konnte sich behaupten, so endete die
Begegnung zwar unentschieden, aber sein strategisches Ziel, die Vereinigung
der beiden Heere zu verhindern, hatte der Markgraf erreicht
im Juni 1704 erschien als wertvoller Verbündeter ein
britisch-niederländisches Heer in Südwestdeutschland: In Heilbronn trafen sich
drei große Heerführer zum Kriegsrat: der "Türkenlouis", Prinz Eugen und John
Churchill, Herzog von Marlborough und
während Eugen den Rhein gegen die Franzosen
hielt, wandten sich der Markgraf und der britische Herzog gegen Bayern und
Franzosen, gemeinsam siegten sie am 2. Juli am
Schellenberg bei Donauwörth, auch hier hatte sich Ludwig
Wilhelm wieder persönlich exponiert und eine schwere Beinverwundung
erlitten, er übernahm zwar noch die Flankensicherung der Heere und ermöglichte
so den glänzenden Sieg Eugens und Marlbouroghs bei Höchstädt - doch dann
verschlimmerte sich sein Zustand immer mehr, auch in Schlangenbad fand er
nicht die erhoffte Besserung und starb, knapp 52jährig, am 7. Januar 1707 in Rastatt
zu seinem
Gedächtnis trug in der kaiserlich und königlichen Armee das
Infanterie-Regiment Nr. 23 (Stab in Budapest) seinen Namen; im deutschen Heer
bewahrte das 3. Badische Infanterie-Regiment Nr. 111 in Rastatt die Tradition
dieses großen Soldaten, Markgraf Ludwig Wilhelm von
Baden, den seine Soldaten den "Türkenlouis" nannten, ruht in der
Stiftskirche von Baden-Baden; sein Rastatter Schloss beherbergt heute in
seinem Museumsflügel eine der bedeutendsten und interessantesten
militärgeschichtlichen Sammlungen Deutschlands