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Blücher, Gebhardt von

 

"Wart'nur, Büb'l, werd'di schon schlachte", rief ein preußisch-bellingscher Husar im Jahre 1758, zog seinen Säbel und ritt auf seinen Gegner, einen schwedischen Husaren, zu, der die Attacke erwartete, der Preuße und der Schwede kämpften verbissen, aber der preußische Husar hatte die größere Kampferfahrung und auch die größere Kraft, das "Büb'l" flog aus dem Sattel und wurde von dem bellingschen Husaren gefangengenommen, sein Name: Gebhardt Leberecht v. Blücher, Sohn eines Gutsbesitzers auf Groß-Rensow in Mecklenburg, ein Preuße also, aber wie kommt ein preußischer Jüngling in die Dienste der Schweden

um seine beiden jüngsten Söhne vom Schauplatz des ausbrechenden Siebenjährigen Krieges zu entfernen, schickte der Vater, Baron von Blücher, sie zu seinem Schwiegersohn, dem Rittmeister v. Krackwitz, auf die Insel Rügen, hier erweckten die herumpatrouillierenden schwedischen Husaren die Kriegslust der beiden jungen Blüchers, so dass sie sich entschlossen, sich als Freiwillige bei den Schweden zu melden, so wurden sie Husaren im Dienst des Schwedenkönigs

Gebhardt v. Blücher ritt damals dem "Büb'1"-Rufer allein entgegen und verlor das Duell, er wurde zu Oberst Belling gebracht, der an dem Verhalten des jungen Blücher so großen Gefallen fand, dass er ihn zu überreden versuchte, zu den preußischen Fahnen überzutreten, ein Jahr später wurde er gegen einen gefangenen schwedischen Offizier ausgetauscht, am 20. September 1760 trat er dann doch in das Regiment von Oberst Belling ein, wurde Kornet (Fähnrich bei der Reiterei) und Bellings Adjutant

zweifellos von Belling gefördert, erklomm Blücher rasch die militärische Rangleiter, er wurde Unter- dann Oberlieutenant, in der Schlacht von Freiberg am Fuß verwundet, trat er noch vor dem Frieden von Hubertusburg (15.02.1763; beendete den Siebenjährigen krieg zugunsten Preußens) wieder in sein Regiment ein, aber Friede behagte dem tatendurstigen jungen Offizier nicht, er entwickelte sich zu einem wilden, ungebärdigen Offizier, der nur selten die herkömmlichen Formen beachtete

im September 1787 erfolgte der Ausmarsch seines Regiments zur Unterdrückung der in Holland ausgebrochenen Unruhen, 1788 zum Oberlieutenant befördert, wurde er im nächsten Jahr bei der Frühjahrsheerschau Ritter des Ordens Pour le merite und am 10. August 1790 Oberst und Kommandeur des ersten Bataillons in seinem Regiment, als solcher zog er 1793 gegen die über den Rhein hereinbrechenden Heere der französischen Republik und fand nun mehrfach Gelegenheit, Mut und Entschlossenheit zu beweisen, er wurde schon damals als einer der besten Reiterführer bezeichnet, nach dem siegreichen Gefecht bei Kirrweiler am 28. Mai 1794 wurde Blücher zum Generalmajor ernannt, der Friede von Basel 1795 beendete erst einmal seinen Tatendrang, für seine dem König geleisteten Dienste ernannte man ihm zum Generallieutenant (1801)

nach dem Ausbruch des Krieges von 1806 gegen Napoleon Bonaparte führte er den rechten Flügel des Marschalls Rüchel, befehligte die Vorhut bei Eisenach, eröffnete am 14. Oktober des gleichen Jahres im Hauptheer Ferdinands von Braunschweig den Kampf bei Auerstedt gegen den französischen General Davoust, durch den unglücklichen Ausgang dieser Doppelschlacht musste sich auch Blücher mit seinem Heer zurückziehen, wobei er sich so langsam vom Feind löste, dass man ihm anlastete, an der Bedrängnis des Heeres von Fürst Hohenlohe Anteil gehabt zu haben, am 7. November 1806 musste Blücher nach einer Reihe tollkühner Gefechte mit seinen 6000 Mann zu Ratikow kapitulieren, auf Ehrenwort entlassen, ging er nach Hamburg und wurde bereits nach 14 Tagen gegen den von Schill gefangengenommenen französischen General Victor ausgetauscht, der Friede von Tilsit kam, dann die Allianz mit Frankreich vom 21. Februar 1812

am 17. März 1813, rief der König sein Volk zum Kampf gegen Napoleon auf, auf höchster Ebene zögerte man, dem inzwischen 71jährigen Greis ein Frontkommando zu geben, doch Scharnhorst, Gestalter des neuen Volksheeres, wusste alle Zweifel aus dem Weg zu räumen, Blücher stellte sich mit seinen Preußen unter das Kommando des russischen Generals Kutusow, noch war man sich nicht im klaren, wie der Befreiungskrieg zu führen sei, da marschierte Blücher mit seinen 24.000 Preußen und 13.000 Russen schon über die sächsische Grenze, wurde aber von Kutusow zurückgepfiffen, als aber dann Napoleon auf Leipzig vorrückte, marschierte Blücher auf Borna vor und überließ sogar dem General von Wittgenstein den Oberbefehl

dann kam jene legendäre Schlacht am 26. Mai bei Hainau, wo Blücher der französischen Vorhut unter General Maison eine bittere Niederlage beibrachte, er selbst jedoch zum vielumjubelten Idol der Reiterei wurde, der Waffenstillstand vom 4. Juni 1813 kam Blücher sehr ungelegen, um so freudiger begrüßte er die Wiedereröffnung der Feindseligkeiten, man übertrug ihm den Oberbefehl des 90.000 Mann starken schlesischen Korps, in dem auch Russen kämpften, unter Blüchers Befehl standen nun auch berühmte Generale wie Langeron, Sacken und York

nach anfänglich wenig glücklichen Gefechten folgte die Schlacht an der Katzbach, wo Blücher dem Feind eine vernichtende Niederlage beibrachte, Blüchers Schlachtruf bei diesem Gefecht "Vorwärts, vorwärts, Kinder!" sollte ihm den Beinamen "General Vorwärts" einbringen, dieser Schlachtruf begleitete Blücher fürderhin auf seiner Siegesbahn, der russische Zar, Alexander I., dessen Soldaten Blücher mit dem Erzengel Michael verglichen, nahm von der eigenen Brust das Andreaskreuz und sandte es mit einem eigenhändigen Schreiben an Blücher, Kaiser Franz von Österreich tat ähnliches

Blüchers Siegeszug gegen Napoleon war nicht mehr aufzuhalten, er drang gegen die Lausitz vor und erzwang den Sieg bei Wartenburg, wo er sich mit dem Nordheer des Kronprinzen von Schweden vereinigte, es folgte die Schlacht von Möckern, die er mit seiner Reiterei so schnell gewann, dass die Schweden erst auf dem Schlachtfeld eintrafen, als längst alles entschieden war, immer allen voran drang Blücher auch als erster in Leipzig ein, auf dem Marktplatz umarmte ihn Kaiser Alexander mit den Worten: "Retter von Deutschland! ", der König von Preußen ernannte Blücher mit einer ehrenden Erklärung zum Feldmarschall

rastlos frischte Blücher sein Heer neu auf, verfolgte unermüdlich den Feind bis an den Rhein und überschritt am Neujahrstag 1814 den Strom bei Mannheim, Kaub und Koblenz, am 17. Januar war er in Nancy, am 27. zog er in Brienne ein, am 1. Februar rückte Blücher an der Spitze eines Teils seiner Truppen gegen die Marne vor und gewann den entscheidenden Sieg bei La Rothiere, während Napoleon durch Friedensunterhandlungen die Hauptarmee täuschte, lockten seine Generale Joinvilliers und Eloges Blücher in einen Hinterhalt, dem der greise Held nur durch die bewunderungswürdige Geistesgegenwart und außerordentlicher Kühnheit entkommen konnte, er hatte 14.000 Mann, darunter 6000 Gefangene und 27 Kanonen, verloren, aber nicht seinen Mut

am 7. März 1814 stand Blücher Napoleon bei Craon gegenüber, am 9. März besiegte er den Kaiser in der Schlacht von Laon und öffnete damit den alliierten Truppen die Tore von Paris, am siegreichen Einzug der Truppen in Paris konnte der greise Marschall wegen eines Augenleidens, das ihn zwang, einen grün seidenen Damenhut zu tragen, nicht teilnehmen, am 2. Juni 1814 ernannte ihn der König von Preußen zum Fürsten Blücher von Wahlstadt und am 6. Juni schiffte er sich mit dem Monarchen zu einem Besuch nach England ein, der Jubel, mit dem Blücher in England empfangen wurde, überstieg alle Grenzen, im wörtlichen Sinne auf den Armen wurde der "Old Blücher" an das Ufer getragen, die begeisterte Menge zerriss seinen Rock, die Mädchen wollten den Greis küssen und Locken von ihm besitzen; das Volk zog seinen Wagen und der König von England gab ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt London sowie ein diamantenes Brustbild, die Universität Oxford verlieh ihm den Doktorhut, scherzend und bescheiden sagte Blücher: "Nun, wenn ich Doktor werden soll, so muss Gneisenau wenigstens Apotheker werden; wir beide gehören zusammen.", ein andermal rief er öffentlich aus: "Was ist's, das Ihr rühmt? Es war meine Verwegenheit, Gneisenaus Besonnenheit und des großen Gottes Barmherzigkeit.", ein Triumphzug ohnegleichen war schließlich sein Einzug in Berlin, wohin ihn der König feierlich durch seine Garde einholen ließ

Blücher starb am 12. September 1820, achtundsiebzigjährig, auf seinem Gut Kriblowitz in Schlesien, seinem Wunsche gemäß wurde er prunklos bei den drei Linden an der Straße von Kriblowitz beigesetzt, sein Heer legte acht Tage Trauer und viele Städte ordneten Totenfeste an

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