der am 20. September 1872
in Paris geborene Gamelin entstammte
mütterlicherseits einer alten Soldatenfamilie aus Elsaß-Lothringen, bereits 1891 verließ er die berühmte Militärakademie
Saint-Cyr als Jahrgangsbester, anschließend trat Gamelin
bei den algerischen Tirailleurs ein, zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde er
Generalstabsoffizier bei Marschall Joffre, in
dieser Eigenschaft konzipierte der intelligente Gamelin
den französischen Operationsplan für die Gegenoffensive an der Marne, mit dem
einfachen Plan, in die Frontlücke des rechten deutschen Angriffsflügels zu
stoßen, zwang er die Deutschen zur Preisgabe ihres so kühn in Szene gesetzten
Schlieffenplans
zwei Jahre später - 1916
- wurde Gamelin mit vierundvierzig Jahren einer
der jüngsten und tüchtigsten Divisionskommandeure der französischen Armee, am
Ende des Weltkrieges hielt man ihn für den hervorragendsten Offizier seiner
Jahrgangsklasse, bevor Gamelin jedoch in die
höchsten Militärstellungen kam, musste er sich mit dem Posten eines
Oberbefehlshabers der französischen Truppen in Syrien (1925-1929) bescheiden, 1931 wurde Gamelin
zum Generalstabschef des französischen Heeres ernannt, vier Jahre später
übernahm er von General Weygand, der ihm noch
einmal nachfolgen sollte, den Posten eines Vizepräsidenten des Obersten
Kriegsrates, bei Ausbruch des II. Weltkrieges wurde er zum Oberbefehlshaber
der alliierten Streitkräfte in Frankreich ernannt, so war Gamelin in der stürmischen Zwischenkriegszeit
maßgeblich am Aufbau sowie an der Umstrukturierung der französischen Armee
beteiligt, natürlich auch an der Formulierung der offiziellen Kriegsdoktrin
bzw. -strategie, seine diesbezüglichen Ansichten, Maßnahmen und
Unterlassungssünden wurden ihm nach dem französischen Zusammenbruch von 1940 übelgenommen, als ob er für dieses Desaster
"allein verantwortlich gewesen wäre", wie es der spätere britische
Feldmarschall Montgomery in seinen Memoiren
formulierte, hinzu kam, daß er als "politischer General" mit dem
Kriegskabinett unter Ministerpräsident Paul Reynaud
auf gespanntem Fuße stand, lediglich der mehrmalige Kriegsminister und
Außenminister sowie Premier Daladier schützte ihn
im Kabinett gegen die immer stürmischer werdenden Angriffe des Strategen Reynaud
was erweckte eigentlich das Misstrauen der
führenden Politiker der Dritten Republik gegen den hochgebildeten und
kultivierten Generalissimus? Zweierlei!, einmal seine komplexe Persönlichkeit,
zum zweiten seine militärischen Entscheidungen - und Versäumnisse,
hinsichtlich seiner Charaktereigenschaften und militärischen Fähigkeiten hat
die zeitgenössische Kritik nicht mit Vorwürfen gespart, so notierte der
bekannte amerikanische Korrespondent und Historiker M.L.
Shirer in den dreißiger Jahren in sein Tagebuch:"... seine
Behutsamkeit, seine Furcht, seine ständige Überschätzung der Stärke des
Gegners und sein Erfindungsreichtum, wenn es galt, die eigene Untätigkeit zu
entschuldigen ... ! ", noch schärfer drückten sich
A. Maurois, Empire-Generalstabschef General
Ironside, der englische Militärhistoriker A.
Horne sowie der Luftmarschall Sir Arthur Barratt
in ihren Memoiren aus, laut Maurois "gaben ihm
sein kurzer, steifer Schnurrbart, die kleinen Augen und der dünnlippige Mund
etwas Undurchschaubares ... Er besaß weder die sprühende Lebhaftigkeit eines
Foch noch die massive Genialität eines Joffre. " und der englische
Troupier Sir Arthur Barratt bezeichnete ihn wenig
höflich und galant ".. als knopfäugigen, knopfstiefeligen, dickbäuchigen
kleinen Lebensmittelhändler", in seinem Buch "Der Frankreichfeldzug"
charakterisierte ihn der Militärhistoriker A. Horne als eine "schweigsame
Natur, der etwas Mönchhaftes an sich hatte", noch drastischer formulierte
es sein prinzipieller Gegner Charles de Gaulle,
über Gamelin und sein finsteres Hauptquartier in
Vincennes meinte er: ".. hauste er in einer klosterähnlichen Atmosphäre,
von nur wenigen Offizieren umgeben, arbeitend und meditierend und völlig vom
Gang der Ereignisse isoliert. In seinem Elfenbeinturm in Vincennes erweckte
General Gamelin in mir den Eindruck eines Gelehrten, der die chemischen
Reaktionen seiner Strategie in einem Laboratorium prüfte.", der
Kriegspremier Reynaud über ihn: "Als Präfekt
oder Bischof mag er in Ordnung sein, aber nicht als Führer von Menschen.
", zwiespältig war auch das Urteil im deutschen Generalstab und bei Hitler, der deutsche Generaloberst Beck, zeitweilig Generalstabschef des Heeres und
späterer Mitverschwörer des 20. Juli, bewunderte Gamelin
als einen" großen Strategen, der für die Freundschaft beider Völker eintrat", Hitler dagegen war der Ansicht, "daß Gamelin
kein Genie gewesen sei, sonst hätte er seiner (Hitlers) Aufrüstung
nicht tatenlos zugesehen"
die insgesamt wenig schmeichelhafte Kritik war
sicherlich zu einem guten Teil das Resultat von Gamelins
unkriegerischer Erscheinung, klein von Gestalt, mit sandfarbenem Haar, in
straffsitzendem Waffenrock und hohen Schnürstiefeln vermochte er sich schon
äußerlich nicht gebührend in Szene zu setzen, diese Tatsache fiel besonders
britischen Generalstabsoffizieren um Lord Gort
und General Ironside auf,
Gamelins militärische Ideen und Theorien waren auch nicht dazu angetan,
Begeisterung und Zuversicht in der französischen Armee zu wecken, eingedenk
der hohen Verluste im I. Weltkrieg basierte Gamelins
Strategie auf der Doktrin von der fortlaufenden Front war also eine reine
Defensivhaltung, falls es jemals zu einem Krieg mit Deutschland kommen sollte,
verhieß er, würde die französische Armee die Deutschen in einer gesicherten
Abwehrfront vom Kanal bis zur Schweizer Grenze "empfangen", Gamelin,
wie übrigens auch Weygand und Petain, dachte nicht im geringsten an einen
offensiven Präventivschlag bzw. an eine aktivere Kriegführung, obgleich die
französischen Mittel selbst während der dreißiger Jahre dazu ausgereicht
hätten, schließlich war die französische Armee trotz des verderblichen "Maginot-Geistes"
die stärkste auf dem Kontinent; gemessen an der Zahl der mobilisierbaren
Divisionen, des größeren und besser ausgebildeten Offizierskorps im Vergleich
zur Wehrmacht sowie der Zahlenangaben für Artillerie und Panzer, lediglich in
der Luft war man der jungen Luftwaffe des späteren Reichsmarschalls Göring hoffnungslos unterlegen, die Briten
sollten dieses Missverhältnis dann etwas abmildern
als versierter Militärstratege hielt Gamelin also offensichtlich sehr viel von einer
defensiven Kriegführung, die zudem der französischen Mentalität der zwanziger
und dreißiger Jahre entsprach, man wollte keine unnötig hohen Verluste
hinnehmen, zumal man in weiten Kreisen kaum noch an die Möglichkeit eines
zukünftigen Krieges mit Deutschland dachte, der
Vertrag von Versailles
(1919) hatte die Franzosen in eine trügerische Sicherheit gewiegt, aus der es 1940 dann ein bitteres Erwachen gab
Anfang der dreißiger Jahre wurde in
Verwirklichung des Defensivgedankens mit einem gigantischen Aufwand an Geld
und Material die französische Maginot-Linie gebaut, hinter der sich die
Franzosen sicher wähnten, Gamelin vergaß dabei
offenbar die Lehre des preußischen Kriegsphilosophen von
Clausewitz, wonach zwar der Defensive im Kriege das Primat zugesprochen
wurde, diese jedoch als Wechselspiel von elastischer Abwehr und offensiver
Angriffe definiert wurde, weiterhin übersah er bei seiner Strategie eines "besseren
Schützengrabens", die so kostspielig war, wahrscheinlich auch die
waffentechnischen Neuerungen seit 1918, das
Auftauchen neuer Waffen - Panzer und Flugzeuge - kam nun eindeutig der
offensiven Kriegführung zugute, damit erwies sich das traditionelle Denken in
Massenarmeen und die Strategie des "Trommelfeuers" als zumindest
partiell überholt, die Schaffung selbständig operierender Panzerdivisionen,
die von motorisierten Artillerie- und Infanterieregimentern unterstützt wurde,
war die eigentliche Revolution in der modernen Kriegführung und gleichzeitig
die Geburtsstunde des deutschen "Panzerblitzes"
Gamelin blieben
die Zeichen der Zeit trotz aller Geheiminformationen bis weit in das Frühjahr 1940 hinein verborgen, was die herannahende
Katastrophe beschleunigen sollte, sein Zögern und Zaudern machte sich erstmals 1932 bemerkbar, als im französischen Generalstab
über die beste Abwehrform in einem zukünftigen Krieg mit Deutschland
diskutiert wurde, Gamelin nahm Partei für die
Stützpunkttheoretiker, die den Maginot-Wall in bescheidenem Umfang bis zum
Kanal fortführen wollten, da die französische Nordostgrenze gegenüber Belgien
und Luxemburg höchst verwundbar war, überraschenderweise traf Gamelin hier auf den Widerstand des sonst
gleichfalls defensiv eingestellten Marschalls Petain, dieser sprach sich für
einen präventiven Einmarsch nach Belgien aus, der die Franzosen auch billiger
gekommen wäre, letztendlich setzte sich aber Gamelin
durch
im Juni 1935
verhandelte er mit seinem italienischen Kollegen Marschall Badoglio über gemeinsame Militäraktionen im Falle
eines deutschen Einmarsches in Österreich, dabei versicherten sich beide
Seiten des militärischen Beistandes, ohne indes einen förmlichen und bindenden
Vertrag abzuschließen
die wohl größte Chance, Frankreichs
Militärmacht eindrucksvoll zur Geltung zu bringen, ließ
Gamelin bei der deutschen Rheinlandbesetzung aus Gründen der
politischen Opportunität verstreichen, dabei hatte Hitler nur einige schwache
Bataillone in Marsch gesetzt - und fürchtete sich vor einem französischen
Gegenschlag, anstatt nun dem Spuk ein Ende zu bereiten, dachte Gamelin keineswegs an eine Strafaktion, er
begründete seine Unentschlossenheit mit der "gewachsenen deutschen
Militärmacht", die er nicht unnötig herausfordern wollte, seine
Überlegungen basierten dabei auf übertriebenen Zahlenangaben über die Stärke
der Wehrmacht, er rechnete allen Ernstes mit einer gegnerischen Stärke von
zirka dreihunderttausend Mann, die auf das Rheinland zumarschierten, da er
doch etwas unternehmen musste, traf er "Vorkehrungen" und forderte "Militärkredite",
denn das Risiko einer "vollen Mobilisierung" wollten weder er noch die
Regierung eingehen
unter der Volksfrontregierung Leon Blum erhielt das französische Oberkommando
dann solche Kredite, um der deutschen Aufrüstung energisch zu begegnen,
anstatt diese umfangreichen Gelder nun für die Aufstellung selbständiger
Panzerdivisionen und motorisierter Infanterieverbände sowie für "Stukas"
zu verwenden, wie es etwa der Panzerexperte Charles de
Gaulle vorgeschlagen hatte, billigte Gamelin
lediglich die Aufstellung einer zweiten motorisierten Division, das übrige
Geld wurde für die Anschaffung von Jagdflugzeugen, Infanteriepanzern sowie für
die weitere Armierung der Grenzbefestigungen verwendet
Gamelins Gespür
für das politisch Machbare und Vertretbare ließ ihn nach der Konferenz von
München (1938) erkennen, daß den kleinen ost- und südosteuropäischen
Verbündeten Frankreichs - Polen, die Tschechoslowakei, Rumänien und
Jugoslawien - nicht zu helfen war, weshalb er den französischenglischen
Garantieversprechungen für diese von Hitler und Stalin bedrohten Länder misstraute, wie sich
zeigen sollte, waren diese Länder auch keine Hilfe für Frankreich und
umgekehrt konnten diese Kleinstaaten auch von Frankreich nichts erwarten, Gamelin wusste trotz gegenteiliger Versicherungen
genau, daß er den Polen keine wirkungsvolle militärische Entlastung gegen Hitler geben konnte, gleichwohl hinterließ er bei
den politischen und militärischen Besprechungen vom Mai bei seinem polnischen
Verhandlungspartner den irrigen Eindruck, als ob er den Polen im Ernstfall mit
einer Entlastungsoffensive an der Westfront zu Hilfe kommen würde
am 15. bzw. 17. Tag der Mobilmachung wollte er
mit dem "Gros" der französischen Armee zum " Großangriff "
antreten, was recht zwielichtig gemeint war, als oberster Feldherr der
westeuropäischen Verbündeten Frankreich und England wusste er nämlich, daß
seine Armeen weder strategisch noch organisatorisch und ausbildungsmäßig auf
den Angriff vorbereitet waren, es ging ihm offensichtlich darum, den Schein
der Waffenbrüderschaft zu wahren, hinsichtlich der Stärke der polnischen Armee
gab sich Gamelin übertriebenen Hoffnungen hin,
was für die Intensität seiner Illusionen spricht, er glaubte allen Ernstes,
daß die Polen die Wehrmacht der Deutschen zirka sechs Monate in Schach halten
würden, bis dahin sollten die alliierten Mobilisierungs- und
Rüstungsanstrengungen vorangetrieben werden
daß Gamelin
bereits im August/September 1939 etwas gegen Hitler hätte tun können, geht aus der Statistik
des französischen Militärpotentials hervor, so verfügte die Armee zu diesem
Zeitpunkt über zirka 2.674.000 Mann, Heer: 2.438.000 - ohne indes sämtliche
Reserven und Kolonialtruppen mobilisiert zu haben, damit hätte sich gewiss
offensiv operieren lassen, zumal die deutsche Wehrmacht dieser imposanten
Streitmacht nur 800.000 Mann entgegensetzen konnte (die Masse mit zirka
1.500.000 Mann war ja in Polen gebunden)
um jedoch eine Art guten Willens hinsichtlich
der offensiven Entlastung des inzwischen von Hitlers
Armeen angegriffenen Polen zu dokumentieren, startete der frisch ernannte
Oberbefehlshaber der westalliierten Gesamtstreitkräfte am 7. September seine" Saar-Offensive",
südlich von Saarbrücken rückten 15 Divisionen der 3., 4. und 5. französischen
Armee auf einer Frontbreite von zwanzig Kilometern lediglich 8 Kilometer auf
deutsches Gebiet vor, ohne nennenswerte Feindberührung wohlgemerkt, da die
Deutschen dieses Gelände vorübergehend kampflos geräumt hatten, diese
Offensive ließ Gamelin bereits am 12. September abbrechen
nach der polnischen Niederlage im September 1939 befand sich
Gamelin in einem strategischen Dilemma, in der Periode des "Komischen
Krieges" - September 1939/Anfang Mai 1940 - hielt er es während dieser eigentlich
so ernsten Zeit nicht für nötig, großangelegte Manöver anzuberaumen, damit der
Truppe und dem Offizierskorps - etwa auf Divisionsebene - das Gefühl für
weiträumiges Operieren vermittelt worden wäre, Anfang
1940 diskutierte er mit dem englischen Verbündeten den waghalsigen und
reichlich obskuren Plan eines Bombardements der kaukasischen Ölfelder, um
Deutschland den Ölnachschub zu sperren, gleichzeitig wollte man damit die
Sowjetwirtschaft treffen, damit hätten sich die gegen Deutschland engagierten
Alliierten aber noch einen neuen und ungleich gefährlicheren Gegner aufgehalst
beim deutschen Norwegenfeldzug April 1940 - wurde Gamelin
ebenfalls nicht aktiv, er war nämlich der Ansicht, daß hier der britische
Verbündete "zuständig sei", zu "dessen Operationsraum" Norwegen
gehöre, der französische Ministerpräsident Reynaud
war ob dieser Selbstzufriedenheit und Handlungsschwäche seines
Oberkommandierenden entsetzt, wörtlich: "Ich habe genug von seinem Zögern.
Ich wäre ein Verbrecher, würde ich diesen Mann ohne Mumm, diesen Philosophen,
an der Spitze der französischen Armee stehen lassen.", Reynaud wollte ihn noch Ende April 1940 absetzen, sein zeitweiliges "Überleben"
verdankte Gamelin der Tatsache, daß
Kriegsminister Daladier ihn hielt - sowie einer
Grippe Reynauds
allerdings war es damals auch noch nicht klar,
ob die deutsche "Blitzkriegsstrategie" auf Anhieb Erfolg haben würde,
im April 1940 konnte keiner definitiv
vorhersagen, wie die entscheidenden Operationen tatsächlich verlaufen würden,
in seiner "Persönlichen und Geheimen Anweisung Nr. 8" rechnete Gamelin mit einem erneuten deutschen Vormarsch
durch Belgien, was auf die Wiederholung des alten Schlieffenplanes
hinausgelaufen wäre (die Deutschen taten ihm diesen Gefallen jedoch nicht), um
diesen Vormarsch abzublocken, entschied Gamelin,
daß die Masse der alliierten Divisionen und die Elite der jungen Panzerwaffe,
die soeben im Aufbau begriffen war, bei Kriegsausbruch nach Belgien vorstoßen
sollte, um die Deutschen noch vor der gefährdeten Nordostgrenze zu einer "Entscheidungsschlacht"
zu stellen
am 10. Mai 1940
rollten dann 35 alliierte Divisionen in die vorbereitete
Antwerpen-Maas-Stellung (sogenannter "Dyle-Plan"), zusammen mit der belgischen
und holländischen Armee konzentrierte Gamelin auf
dem angeblich "kriegsentscheidenden" belgischen Frontabschnitt etwa 65
Divisionen, denen 45 deutsche gegenüberstanden, im tatsächlichen deutschen
Einbruchsraum an der Maas beiderseits des geschichtsträchtigen Ortes Sedan
hatte Gamelin aber nur die 2. französische Armee
General Huntzingers mit ihren schwachen fünf
Stellungsdivisionen postiert, trotz zahlreicher Warnungen durch ausländische
Diplomaten und Militärsachverständige tat Gamelin
nichts, um die schwachbesetzte Maasfront zu verstärken, seine übrigen
Divisionen waren über die ganze lange Front zwischen dem Kanal und der
Schweizer Grenze verteilt, die französische Aufklärung und der Geheimdienst
waren übrigens bis zum 10. bzw. 14. Mai 1940 ebenfalls noch nicht darüber
informiert, wo der deutsche Angriffsschwerpunkt liegen würde, man rechnete
deshalb mit einer Wiederholung der Offensivtaktik von
1914
am 9. Mai 1940 -
ein Tag vor "Fall Gelb" - verlangte Ministerpräsident Reynaud im Kabinett die Absetzung Gamelins, der seinerseits übrigens ebenfalls an
Rücktritt dachte, der deutsche Angriff brachte dann in dieser Hinsicht eine
erneute Verzögerung, am nächsten Tag - dem 10. Mai
- erteilte Gamelin der "Heeresgruppe Billote"
- fünf Armeen den so verhängnisvollen Befehl zum Einmarsch nach Belgien,
nachdem diese überstürzt darum gebeten hatten, es war der Anfang eines Dramas,
das nun über die Alliierten und ihren OB hereinbrechen sollte
bei Ausbruch der Feindseligkeiten führte Gamelin die Operationen nicht selbst "vor Ort",
was sich als eine schwerwiegende Unterlassungssünde erweisen sollte, zudem war
sein Hauptquartier organisatorisch und nachrichtentechnisch hoffnungslos
antiquiert (schlechte Telefonverbindungen, so gut wie keine Fernschreiber und
Funkgeräte), er tat auch nichts, um den Gang der Ereignisse operativ irgendwie
zu beeinflussen
während der Anfangsphase des Krieges gegen sein
Land zeigte sich Gamelin recht zuversichtlich,
zumal der Angriff der deutschen "Heeresgruppe B" unter Fedor von Bock an der "Dyle-Linie"
zeitweilig abgewehrt werden konnte, kein Wunder, lag doch der deutsche
Angriffsschwerpunkt bei der "Heeresgruppe A" unter Gerd von Rundstedt, nach wie vor widmete Gamelin der bedrohten Maasfront nicht die nötige
Aufmerksamkeit, nach wie vor rechnete er während der ersten sechs Tage mit
einer "Entscheidungsschlacht" in Belgien, an der Maas besaß er seiner
Meinung nach einen natürlichen Verbündeten - das Gelände, noch am 12. Mai glaubte er trotz des inzwischen
eingeleiteten Rückzuges seiner Truppen aus den Ardennen an eine "einwöchige
Kampfpause an der Maas", erst um den 15./16. Mai
erkannte er das furchtbare Ausmaß der Niederlage seiner beiden Maas-Armeen der
2. und 9., als Konsequenz erließ er zahlreiche "Durchhaltebefehle",
welche die Ereignisse jedoch nicht aufzuhalten vermochten, fernerbefahl er
taktische Maßnahmen wie die Bildung von Widerstandsnestern im Rücken der
durchgebrochenen Deutschen, auf dem Höhepunkt der Krise an der Maas traf sich Gamelin mit dem frisch ernannten britischen
Premierminister Churchill (16. Mai 1940), im Verlauf des Gespräches musste er
zugeben, da er über keine strategischen Reserven verfügte, die den "Dammbruch"
an der Maas hätten aufhalten können
da Gamelin keine
entscheidende Wendung mehr herbeizuführen vermochte, wurde er am 19. Mai 1940 seines Postens enthoben und durch
General Weygand ersetzt, der trotz seines Alters
tatkräftiger wirkte, aus dem Oberbefehlshaber wurde nun ein einfacher Zivilist
und Staatspensionist, der bereits kurz nach dem französischen Zusammenbruch
vom 22. Juni 1940 verhaftet wurde (6. September)
im Schauprozess von Riom (18.2. bis 11.4.1942),
den das Petain-Regime inszenierte, wurde er für Frankreichs Niederlage
mitverantwortlich gemacht, bis April 1943 blieb Gamelin in französischer Haft, danach wurde er an
Deutschland ausgeliefert, noch im selben Jahr kam er zusammen mit Daladier, Blum und Lebrun in das Konzentrationslager Buchenwald,
nach 1945 brachte er seine dreibändigen Memoiren
heraus, die von Kritikern als "Entschuldigungsbände" etikettiert
wurden, Gamelin starb am
14. April 1958 sechsundachtzigjährig in Paris