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Charles de Gaulle

Charles de Gaulle wurde am 22. November 1890 in der nordfranzösischen Industriestadt Lille geboren, als Neunzehnjähriger besuchte er von 1909 bis 1912 die berühmte Militärakademie St. Cyr, zwei Jahre später nahm er als Offizier am I. Weltkrieg teil, 1919 kam er mit einer französischen Militärmission unter General Weygand nach Polen, um diese »Schöpfung von Versailles« gegen die vordringende Rote Armee zu schützen, de Gaulle erlebte hier die schweren Abwehrkämpfe gegen die »Roten«, die unter der Führung Tuchatschewskis (Michail Nikolaijewitsch, sowjetischer Marschall (1893-1937)) und Stalins bis zur Weichsel kamen, nach dem französisch-polnischen Sieg ging de Gaulle 1920 nach Frankreich zurück, wo er Dozent für Militärgeschichte in St. Cyr wurde, seit 1925 bekleidete er immer höhere militärische Stellungen in der französischen Armee, so wurde er 1931 in das Generalsekretariat für Nationale Verteidigung berufen, schließlich wurde er 1937 zum Obersten eines Panzerregiments bei Metz ernannt, diese erfolgreiche Karriere wies aber auch Tiefpunkte auf, denn de Gaulle war ein eigenwilliger Kopf, der es der französischen Heeresführung nicht immer leicht machte, alleiniger Streitpunkt zwischen dem selbständig denkenden Obersten de Gaulle und der Heeresführung war die Frage nach der richtigen Strategie im Falle eines Krieges mit Deutschland, das unter Hitler gewaltig zu rüsten begann (gemessen am Stand der Reichswehr), gerade in den dreissiger Jahren war de Gaulle ein scharfer Kritiker und Gegner von der gängigen, auf Marschall Petain fußenden Doktrin von der »fortlaufenden Front«, mit der man einem deutschen Angriff erfolgreich begegnen wollte, im Grunde genommen war es die »Schützengrabenstrategie«, die nun in Gestalt der mächtigen Maginot-Bunker-Linie ihre Auferstehung fand, de Gaulle aber erblickte in der offensiven Beweglichkeit die einzige Hoffnung Frankreichs, wozu selbstverständlich die junge Panzerwaffe gut geeignet gewesen wäre, bereits in dem vielbeachteten Buch »Vers l`armee de metier« (1934) versuchte de Gaulle zum Ärger der Heeresführung die Armee auf einen möglichen Panzerkrieg vorzubereiten - zu einem Zeitpunkt also, wo noch nicht einmal die erste deutsche Panzerdivision fertig war, allerdings dachte der Theoretiker de Gaulle noch nicht an einen kombinierten Einsatz mit der Luftwaffe, was sich dann im Mai 1940 als verhängnisvoll erweisen sollte, im übrigen bekam er die Folgen seiner revolutionären Anschauungen bald zu spüren, er wurde nämlich für einige Jahre aus der Beförderungsliste gestrichen- und blieb Oberst der jungen Panzerwaffe, zu Beginn des deutschen »Blitzes im Westen« (Mai 1940) wurde de Gaulle zum Brigadegeneral und Kommandeur der 4. Panzerdivision ernannt, die bereits in der Eröffnungsphase des Feldzuges arg mitgenommen wurde, die Bewährungsstunde für sein revolutionäres Panzerkonzept schlug de Gaulle tragischerweise zu dem Zeitpunkt, als sich die französische Niederlage durch den deutschen Panzerkeil gegen die Kanalküste bereits abzeichnete, am 17., 19. und 28. Mai sollten seine spärlichen Panzerkräfte durch eine Gegenoffensive am Südflügel des deutschen Angriffskeils diesen von seinen rückwärtigen Verbindungen abschneiden, die dazu benötigten Kräfte reichten jedoch nicht aus, zumal de Gaulles 4. Panzerdivision überhaupt nicht von der eigenen Luftwaffe unterstützt wurde, seine Angriffe an Aisne, Serre und Somme wurden von deutschen Stukas und der 8,8-em-Flak abgewehrt, sein direkter Gegner - Guderian - ließ sich auch nicht in Verlegenheit bringen, die deutschen Panzer rollten über die Somme der Kanalküste entgegen, nachdem auch die Engländer bei Arras nichts Wesentliches erreichten, trat de Gaulle am 6. Juni 1940 in die Regierung Paul Reynaud ein, um die kleine Minderheit der »Falken« im Kabinett zu stärken, am 14. Juni flog er in dienstlicher Angelegenheit nach London, um nach Transportmöglichkeiten für die nach Nordafrika zu evakuierenden französischen Restkräfte Ausschau zu halten, er konnte sich jedoch bei seinen Kabinettskollegen mit der Forderung nach einer Weiterführung des Krieges von den Kolonien aus nicht durchsetzen, so blieb ihm nichts anderes übrig, als in seinem kleinen Flugzeug »die Ehre Frankreichs« nach London zu retten, wie Churchill es formuliert hatte

nach der Kapitulation Frankreichs weigerte sich de Gaulle, sich dem Vichy-Regime Petains zur Verfügung zu stellen, als Fahnenflüchtiger wurde er daher von der Petain-Regierung zum Tode verurteilt, seinerseits forderte nun de Gaulle alle Franzosen des Mutterlandes auf, den Krieg in irgendeiner Form und mit allen Mitteln weiterzuführen, da diese Appelle verständlicherweise nichts fruchteten, gründete de Gaulle im Londoner Exil die Kampforganisation »Freies Frankreich«, mit der er auf der Seite Großbritanniens den Krieg gegen Deutschland fortsetzte, diesem Kampfbund schlossen sich anfangs nur die französischen Kolonien in Äquatorialafrika sowie im Pazifik an

im Juni 1943 - zwei Monate nach dem Sieg in Nordafrika - wurde de Gaulle Präsident des in Algerien neu gegründeten »Französischen Komitees der Nationalen Befreiung«, das am 15. Mai 1944 zur von de Gaulle geleiteten »Provisorischen Regierung der französischen Republik« umgebildet wurde

kurz nach der alliierten Landung in der Normandie (Juni 1944) flog de Gaulle für einen Tag nach Bayeux, um seine Autorität zu präsentieren, danach wurde er von Roosevelt empfangen, was für ihn die politische Anerkennung bedeutete, um den 21. August hatte de Gaulle eine militärische Besprechung mit Eisenhower, die den operativen Folgen der Kesselschlacht bei Falaise galt, es ging konkret um die Einnahme von Paris, dieser für den weiteren Vormarsch so wichtigen Verkehrsmetropole, de Gaulle setzte sich schließlich mit seiner Forderung nach einem blitzartigen Vorstoß auf Paris durch, damit die »Ehre Frankreichs« endgültig wiederhergestellt sei

mit seinem raschen Einmarsch nach Paris verhinderte de Gaulle die Proklamation einer von Kommunisten gelenkten »Sozialistischen Republik«, was für den weiteren Verlauf der Geschichte von großer Bedeutung war, in den Augusttagen des Jahres 1944 stellte de Gaulle sein politisches Gespür für entscheidungsreife Situationen sowie seine psychologische Meisterschaft in der Behandlung der Volksmassen eindrucksvoll zur Schau, in der Schlussphase des Krieges litt seine Popularität allerdings unter der Versorgungskrise, die das ganze Land erfasste

im November 1945 wurde de Gaulle zum Ministerpräsidenten und provisorischen Staatsoberhaupt gewählt, doch trat er bereits im Januar 1946 von diesen Posten zurück, außenpolitisch gelang es ihm trotz Einsatz aller Machtmittel nicht, die einstige französische Machtstellung in Syrien und Indochina erneut zu sichern, ein weiterer Misserfolg war sein Versuch, die Rheingrenze und das Aostatal für Frankreich zu gewinnen, unter seiner Führung gerieten Finanzen und Wirtschaft in immer größere Schwierigkeiten, mit der Verfolgung der einstigen Vichy-Anhänger schuf er sich immer mehr Gegner im Bürgertum, um in der vierten Republik eine verlässliche Hausmacht hinter sich zu wissen, gründete er 1947 das »Rassemblement du Peuple Francais« - RPF -, das jedoch 1953 wiederaufgelöst werden musste, den Höhepunkt seiner politischen und militärischen Laufbahn erreichte de Gaulle nach dem erfolglosen Militärputsch in Algerien (Mai 1958), nachdem ihm die friedliche Beendigung dieses für das Mutterland so gefährlich gewordenen Aufstandes gelungen war, seit dem 1. Juni 1958 war er wieder Ministerpräsident, und noch im gleichen Jahr wurde er am 21. Dezember zum Staatspräsidenten der »fünften Republik« gewählt

in seiner Außenpolitik versuchte de Gaulle, die weltpolitische Stellung Frankreichs gegenüber den beiden Weltmächten USA und UdSSR zu stärken, eine stärkere Profilierung Europas unter französischer Ägide war weiterhin anvisiert, im Rahmen seiner Theorie vom »Europa der Vaterländer« war de Gaulle für einen lockerenpolitischen Zusammenschluss des Kontinents, gegen Großbritanniens Eintritt in die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) leistete er hartnäckigen, Widerstand, dagegen gelang ihm und Adenauer die Versöhnung der ehemals feindlichen Nachbarn am Rhein

mit den Mai-Unruhen von 1968 erlebte de Gaulles »fünfte Republik« ihre schwerste Stunde, der Aufruhr der linken Studenten offenbarte die gesellschaftliche und ökonomische Erstarrung bzw. Instabilität seines Regimes, aber noch einmal wurde er mit breiter Unterstützung des Bürgertums Herr der Situation, nach dem Scheitern seines so genannten Referendums hatte er sich 1969 in das Privatleben zurückgezogen, außenpolitisch war Frankreich durch ihn zu einer Macht mit relativer Eigenständigkeit gelangt, die fortan weltweites Ansehen genoss

am 9. November 1970, dem 52. Jahrestag des französisch-englischen Sieges über Deutschland, starb der vereinsamte General in der Abgeschiedenheit seines lothringischen Landsitzes Colombey-les Deux-Eglises
 

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