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Karl Wilhelm Georg von Grolman


 

  • wenn von der preußischen Heeresreform der Jahre 1807-1809 nach der vernichtenden Niederlage Preußens im Kampf gegen das napoleonische Frankreich die Rede ist, werden dabei vorzugsweise immer wieder die Namen folgender fünf Reformer genannt, Hermann von Boyen (1771-1848), Karl von Clausewitz (1780-1831), August Graf Neidhardt von Gneisenau (1760-1831), Karl von Grolmann (1777-1843) und Gerhard Johann David von Scharnhorst (1755-1813), bemerkenswert ist die Tatsache, daß gerade die beiden bedeutendsten von ihnen (Scharnhorst und Gneisenau) nicht preußischer Herkunft waren, alle aber gehören zu den markantesten Persönlichkeiten der preußischen Armee im 19. Jahrhundert und auch Grolmann, der erste Chef des preußischen Generalstabes, dessen Todestag sich 1993 zum 150. Male jährte, ist für heutige Soldaten und historisch interessierte Menschen der Erinnerung wert
     

  • Karl Wilhelm Georg von Grolmann wurde am 30. Juli 1777 - also noch zu Lebzeiten Friedrichs des Großen (1712 bis 1786) - in Berlin als Sohn des bedeutenden preußischen Richters Wilhelm Heinrich von Grolmann (1740-1840) geboren, der als Kammergerichtspräsident maßgeblich an der Ausarbeitung des Allgemeinen Landrechts beteiligt war, nach ihm hat übrigens die heutige Grolmannstraße in, Berlin ihren Namen
     

  • die Familie Grolmann, die aus der westfälischen Grafschaft Mark stammt, einem Teil des Herzogtums Kleve, das im Jahre 1614 nach einem dynastischen Erbstreit an Kurbrandenburg gefallen war, hatte den preußischen Königen seit Beginn des 18. Jahrhunderts Beamte, Professoren und Offiziere gestellt, Karl von Grolmann, der keine Neigung zur Juristerei besaß, zog es schon mit dreizehn Jahren zum Militär, 1791 trat der Jüngling als Kornett (Fahnenjunker) in das in Berlin stationierte Infanterieregiment von Möllendorff ein, dessen Chef, der spätere Generalfeldmarschall Wichard von Möllendorff (1724-1816), in der Schlacht bei Auerstedt (14. 10. 1806) mit 81 Jahren verwundet worden und danach in französische Gefangenschaft geraten war
     

  • nach dem Frieden von Tilsit (9. 7. 1807), der Preußen rund die Hälfte seines Gebietes kostete, ihm eine Kontribution von 120 Millionen Talern abverlangte, die Reduzierung des Heeres auf 42000 Mann erzwang und dem Land überdies eine mehrjährige französische Okkupation bescherte, trug sich der inzwischen 30jährige Hauptmann von Grolmann zunächst mit dem Gedanken, nach Amerika auszuwandern, er blieb dann aber in der Armee, zumal dem nunmehrigen Major im Laufe des Jahres 1807 wichtige Aufgaben in der von Generalmajor von Scharnhorst geleiteten "Militär-Reorganisationskommission" und in der "Immediats-Untersuchungskommission" übertragen wurden, diese hatte die katastrophale preußische Niederlage von 1806/07 zu analysieren, die Schuldigen dafür festzustellen und das alte und zu einem großen Teil überalterte Offizierkorps von ungeeigneten Uniformträgern zu säubern, hierfür wurden besondere "Regimentstribunale" gebildet, die eine Ausstoßung von insgesamt 208 Offizieren aus der Armee verfügten, von zuvor 142 Generalen wurden bis 1809 siebzehn fristlos "kassiert" und weitere 86 "ehrenvoll" entlassen, so daß insgesamt nur noch ein gutes Viertel von der alten Generalität übrigblieb
     

  • das war allerdings erst der personelle Auftakt der preußischen Heeresreform, die von Generalmajor von Scharnhorst und seinen Helfern mit beharrlicher Zielstrebigkeit vorangetrieben wurde, man kann in diesem Zusammenhang geradezu von einem völligen Neuaufbau der Armee sprechen, da die Angehörigen der alten Truppenteile während des Feldzuges zu einem großen Teil auseinandergelaufen, getötet, verwundet oder in Gefangenschaft geraten waren
     

  • zur Milderung der vom Gegner verfügten Beschränkung der preußischen Heeresstärke auf 42 000 Mann wurde im Jahre 1807 als eine der ersten Maßnahmen zur Heeresreorganisation das sogenannte Krümpersystem eingeführt, man versteht darunter ein bis 1813 praktiziertes System der Rekrutenausbildung, wonach die ausgebildeten Soldaten nach mehreren Monaten durch andere ersetzt wurden und schließlich mehr als 42 000 Mann für den Einsatz im Ernstfall zur Verfügung standen, zu den weiteren Neuerungen gehörten eine Neugestaltung des Oberbefehls, die Begrenzung der Dienstzeit, die Abschaffung der entehrenden Prügelstrafe für Soldaten, die Änderung der Kriegsartikel, die Auswahl des Offiziersersatzes nach Kenntnissen und Fähigkeiten (d. h. Aufhebung des Adelsprivilegs!) sowie die Bildung einer verantwortlichen Zentralstelle für die ganze Heeresverwaltung und eines Generalstabes
     

  • es war u. a. die besondere Aufgabe Grolmanns, die Einzelheiten des neuen Auswahlsystems für Offiziere in einer entsprechenden "Order" vom 6. August 1808 auszuarbeiten, naturgemäß war es kaum überraschend, daß es innerhalb und außerhalb der Scharnhorstschen Kommission auch leidenschaftliche Gegner solcher revolutionären Veränderungen gab, eine der bedeutendsten organisatorischen Neuerungen war die Anfang 1809 erfolgte Schaffung eines Kriegsministeriums (Kriegsdepartement), das grundsätzlich für alle militärischen Fragen zuständig war, es bestand aus zwei Abteilungen: dem "Allgemeinen Kriegsdepartement" und dem "Militär-Okonomie-Departement", allerdings lehnte es der König ab, einen offiziellen Kriegsminister zu ernennen (dazu kam es erst 1814!), vielmehr wurde Scharnhorst als Leiter des "Allgemeinen Kriegsdepartements" mit dem zusätzlichen Titel eines "Chefs des Generalstabes" bedacht und teilte sich die provisorische Leitung der Behörde mit dem konservativen General Graf Lottum (1767-1841), Grolmann hatte nun unter Scharnhorst die Leitung der 1. Unterabteilung des "Allgemeinen Kriegsdepartements" übernommen und war damit für Personal- und Disziplinarangelegenheiten zuständig, da sich mittlerweile die Spannungen zwischen den entschiedenen Reformern und ihren Gegnern verschärft hatten, der König sich den Reformern gegenüber zunehmend reservierter verhielt und auch Napoleon verstärkt auf die politische und militärische Entwicklung in Preußen Einfluß nahm, gab Major von Grolmann bereits nach wenigen Wochen sein neues Amt wieder auf und trat in österreichische Dienste, um dort aktiv am Kampf gegen Napoleon teilzunehmen, am französisch-österreichischen Krieg von 1809, der mit dem Sieg des Erzherzogs Karl bei Aspern (22. 5. 1809) so hoffnungsfroh begonnen hatte, war Major von Grolmann als Stabschef des Generals Hiemmaier beteiligt
     

  • nach dem Frieden von Wien (Schönbrunn) vom 14. 10. 1809, der die Niederlage Osterreichs besiegelte, ging Grolmann nach London und suchte sich dort eine neue Aufgabe im Rahmen einer für den Einsatz in Spanien unter Wellingtons Oberbefehl bestimmten britischen Fremdenlegion ("Legion Extranjera"), als Bataillonskommandeur kämpfte Grolmann in den folgenden Jahren mit Auszeichnung auf spanischem Boden gegen die französischen Truppen, bis er im Januar 1812 bei Valencia in Gefangenschaft geriet, der er sich durch Flucht in Richtung Heimat entzog
     

  • hier kam er gerade zur rechten Zeit an, um am Freiheitskrieg von 1813/14 in verschiedenen Generalstabsverwendungen teilzunehmen, so erlebte er die Schlachten von Groß-Görschen, wo Scharnhorst sich seine zum Tode führende Verwundung zuzog, von Dresden, Kulm und Leipzig, die am 3.9.1814 erfolgte Verkündung eines neuen Wehrgesetzes, das in Preußen die allgemeine Wehrpflicht ab dem 20. Lebensjahr vorsah, trägt die Handschrift Boyens und Grolmanns
     

  • im Feldzug von 1815, dem letzten der Napoleonischen Kriege, trug Generalmajor von Grolmann als Generalquartiermeister unter Blüchers Stabschef Gneisenau zum deutsch-englischen Sieg bei Belle Alliance/Waterloo bei, wo Blücher dem britischen Oberkommandierenden Wellington gerade noch rechtzeitig zu Hilfe kam, die meisten Blücherschen Befehle wurden damals übrigens von Grolmann schriftlich niedergelegt, nach dem 2. Pariser Frieden vom 20. 11. 1815 schloss von Grolmann unter dem nunmehrigen Kriegsminister General von Boyen seine aktive Mitwirkung an der preußischen Heeresreform ab
     

  • im Zeichen der einsetzenden politischen Reaktion nahm Karl von Grolmann - zusammen mit seinem Minister von Boyen, dem Schöpfer der Landwehr - im Jahre 1819 seinen Abschied

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  • zuvor hatte er u. a. auch noch eine Denkschrift vom 12. 2. 1816 ausgearbeitet mit der er den Vorschlag machte, den preußischen Auslandsgesandtschaften Offiziere als militärische Sachverständige beizugeben, die späteren Militärattaches, ein Jahrzehnt später wurde Grolmann als Generalleutnant 1829 reaktiviert und als Generalleutnant zum Kommandeur der 9. Division im schlesischen Glogau ernannt, im Jahre 1830 wurde er Kommandierender General eines Observationskorps anlässlich des polnischen Aufstandes, seine Dienstzeit beendete er als Kommandierender General des V. Armeekorps in Posen, 1837 wurde er noch zum General der Infanterie befördert, am 17. 9. 1843 erlag er im Alter von 66 Jahren einem schweren Herzleiden, er wurde in Posen beigesetzt, wo sein Grab noch bis zum Jahre 1945 erhalten geblieben war
     

  • zu seiner Erinnerung führte ab 1889 ein zuletzt in Osterode/Ostpreußen stationiertes Regiment den Namen Infanterieregiment von Grolmann (l. Posensches) Nr. 18, auch gab es in der Festung Posen bis 1918 ein Fort das den Namen Grolmanns trug

   

Die Abbildungen wurden freundlicherweise von der Familie von Grolmann zur Verfügung gestellt. Bei Hinweisen, Informationen bezüglich der Person Karl Wilhelm von Grolmann, bitte direkt an Dirk von Grolman wenden - dvgh@yahoo.de

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