er steht nicht in der Liste der
Ritterkreuzträger, obwohl er fast während des ganzen II. Weltkrieges (von 1940
bis 1944) Chef der Operationsabteilung im OKH (Oberkommando des Heeres) war
und in dieser Eigenschaft mit dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht, Adolf Hitler, in ständigem Kontakt stand, beim
Vortrag über die Lage an der Ostfront zugegen war oder gar selbst diesen
Lagebericht hielt, er war nie ein Revolutionär, gehörte auch nicht zu den
Verschwörern des 20. Juli 1944, wurde bei dem
Attentat auf den Diktator selbst verwundet, geriet dennoch als »Mitwisser«
bis zum Oktober 1944 in Gestapohaft und fand
danach bis Kriegsende keine militärische Verwendung mehr, bis er 1950 vom damaligen Regierungschef Konrad Adenauer als »Ratgeber des
Bundeskanzlers für Fragen der militärischen Sicherheit« herangezogen
wurde, fürwahr: ein militärischer Führer in unruhiger Zeit
geboren wurde Adolf
Heusinger am 4. August 1897 in dem damals
zum Herzogtum Braunschweig gehörenden Westerstädtchen Holzminden, wo sein
Vater, Professor Ludwig Heusinger, als
Oberstudienrat das dortige Gymnasium leitete, dieses Gymnasium besuchten auch
seine Söhne Adolf und Bruno
(der spätere Präsident des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe), sein Abitur
machte Adolf Heusinger 1915
in Helmstedt und trat dann - anstatt sich der von ihm eigentlich angestrebten
Forstlaufbahn zuzuwenden - gleich als kriegsfreiwilliger Fahnenjunker in das
7. thüringische Infanterieregiment Nr. 96 in Gera ein
vor Verdun wurde er schwer verwundet und dann
am 1.7. 1916 zum Leutnant - mit Patent vom 1. 7. 1915 - befördert, als Zugführer,
Kompanieführer und Ordonnanzoffizier bewährte sich der Infanterieleutnant Adolf Heusinger vor Verdun, an der Somme und bei
Arras, bis er im Herbst 1917 in Flandern zum
zweiten Male schwer verwundet wurde und dann in britische Kriegsgefangenschaft
geriet, aus der er erst im Dezember 1919
heimkehrte, inzwischen schmückten seine Uniform neben den Eisernen Kreuzen I.
und II. Klasse und dem Verwundetenabzeichen in Schwarz das Braunschweigische
Kriegsverdienstkreuz II. Klasse, das Reußische Ehrenkreuz III. Klasse mit
Schwertern und die Reußische Silberne Verdienstmedaille mit Schwertern - er
gehörte ja schließlich einem thüringischen Infanterieregiment an, dem auch die
Mini-Fürstentümer Reuß-Greiz und Reuß-Schleiz-Gera Soldaten stellten
nach dem Krieg wollte der Heimkehrer aus
Kriegsgefangenschaft und abgedankte Leutnant Heusinger
sich zunächst doch seinen Jugendtraum erfüllen und Förster werden, er ließ
sich jedoch fürs Hunderttausend-Mann-Heer anwerben und wurde als Zugführer in
die Reichswehr übernommen, im III. (Jäger-) Bataillon des Infanterieregiments
15 wurde er bald Bataillonsadjutant und stieg am 1. 4.
1925 - nach fast zehnjähriger Leutnantszeit - endlich zum Oberleutnant
auf, im Frühjahr 1927 bestand er die für alle
Reichswehroffiziere vorgesehene »Wehrkreisprüfung« mit Auszeichnung und
qualifizierte sich dadurch schon für höhere Aufgaben, die Reichswehrrangliste
des Jahres 1927 verzeichnet ihn noch als
Oberleutnant in der 12. (MG = Maschinengewehr-) Kompanie des 15.
Infanterieregiments, doch schon bald danach wurde er zur dreijährigen »Führergehilfen«
- (Generalstabs -) Ausbildung nach Stuttgart und Berlin kommandiert (1927 bis
1930), wiederum qualifizierte er sich überdurchschnittlich und erlebte
anschließend eine Kommandierung zur Operationsabteilung (T 1) des
Oberkommandos des Heeres (OKH), 1931/32 tat er
als Generalstabsoffizier im Berliner Reichswehrministerium Dienst und trat
dabei in engeren Kontakt mit so bedeutenden Soldaten wie
Adam (zuletzt Generaloberst), Beck (später
Generaloberst und Chef des Generalstabes) und von
Manstein (bekannter Generalfeldmarschall des II. Weltkrieges)
am 1. 10. 1932
wurde Heusinger mit 35 Jahren zum Hauptmann
befördert und übernahm für zwölf Monate sein letztes Truppenkommando als Chef
der 13. (Infanteriegeschütz-) Kompanie des Infanterieregiments (IR) 18 in
Paderborn, seitdem hat er nie wieder ein Truppenkommando ausgeübt und war
somit niemals Bataillons-, Regiments- oder Divisionskommandeur, er war
sozusagen der geborene Generalstäbler - allerdings mit reichlicher
Fronterfahrung im I. Weltkrieg - und diente seitdem nur noch in höheren und
höchsten Stäben: zunächst als Ia (l. Generalstabsoffizier) der 11.
Infanteriedivision in Allenstein/Ostpreußen, nach der Beförderung zum Major am
1. 3. 1936 wurde Heusinger wieder in die
Operationsabteilung des OKH geholt, wo er am 1. 4. 1938
zum Oberstleutnant aufstieg und im September 1940
- nunmehr als Oberst - Chef wurde, es folgten die Beförderungen zum
Generalmajor (l. 12. 1941) und zum Generalleutnant (l. 1. 1943), nach dem
Ausscheiden des Generalobersten Halder als
Generalstabschef des Heeres (24. 9. 1942) bemühte sich
Heusinger vergeblich um ein Frontkommando und blieb auch unter Halder-Nachfolger Zeitzler
(Generalstabschef vom 24. 9. 1942 bis 20. 7. 1944) Leiter der
Operationsabteilung und stellvertretender Generalstabschef, ihm oblag es, aus
den Berichten und Meldungen der Front-Befehlshaber die wirkliche Lage
herauszukristallisieren und daraus entsprechende Folgerungen zu ziehen, das
Ergebnis dieser Arbeit trug dann der jeweilige Generalstabschef Hitler in der täglichen Lagebesprechung vor,
wobei ihm Heusinger assistierte, ob sich Hitler dann nach den ohne Schönfärberei
vorgetragenen Berichten und Empfehlungen seiner militärischen Fachleute
richtete, stand auf einem ganz anderen Blatt
am 20. Juli 1944
kam Generalleutnant Heusinger in der
»Lagebaracke« des »Führerhauptquartiers Wolfsschanze« (bei
Rastenburg/Ostpreußen) zum letzten Male in der Lagebesprechung zu Wort, als er
- unmittelbar neben Hitler stehend - beim Vortrag
über die Situation an der Ostfront um 12.42 Uhr die Explosion der von Oberst
i. G. Graf Stauffenberg unter dem Tisch in einer
Aktentasche deponierten Attentatsbombe miterlebte,
Heusinger wurde dabei durch Splitter an beiden Beinen sowie durch
Verbrennungen an Kopf, Brust und rechter Hand verletzt und musste in ein
Lazarett eingeliefert werden, hier wurde er am 22. 7.
1944 von der Gestapo als »Mitwisser« verhaftet und bis Oktober 1944 in Haft gehalten, sein Nachfolger
wurde Oberst i. G. Bogislav von Bonin, der dann
bereits nach wenigen Monaten abgelöst und ins KZ (Konzentrationslager)
überführt wurde, weil er eigenmächtig Warschau aufgegeben hatte, später sollte
auch er vorübergehend beim Aufbau der Bundeswehr eine gewisse Rolle spielen
für Heusinger war
nach der Entlassung aus der Gestapohaft die militärische Karriere zunächst
einmal zu Ende, da er keine Fronterfahrung aus dem II. Weltkrieg besaß und
seit seiner Kornpanieführerzeit von 1933 niemals
mehr eine Truppe befehligt hatte, wollte der neue Generalstabschef,
Generaloberst Guderian, ihm keine Division oder
ein Korps anvertrauen und ließ ihn zur OKH-Führerreserve abstellen - zur
Verfügung des Wehrkreiskommandos Hannover, er blieb bis Kriegsende ohne
Verwendung und führte ein zurückgezogenes ziviles Dasein in Walkenried am
Harz, wo sein Großvater einmal als Forstmeister amtiert hatte, erst in den
letzten Kriegstagen zog er wieder die Uniform an und schloß sich in beratender
Funktion der Kampfgruppe des Panzergenerals Stumpff
an, mit der er schließlich in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet, diese
dauerte fast drei Jahre (1945 bis 1948), in den Lagern Oberursel und Allendorf
verfaßte Heusinger - wie auch andere ehemalige
Wehrmachtsgenerale Operationsberichte für die kriegsgeschichtliche Abteilung
des amerikanischen Verteidigungsministeriums, ehe er für achtzehn Monate, die
er als die bitterste Zeit seines Lebens empfand, als Zeuge in das Nürnberger
Gerichtsgefängnis überführt wurde
nach der Entlassung lebte er wieder im Harz und
dann in München, arbeitete zeitweilig für die Organisation Gehlen und legte
seine Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse indem 1950 erschienenen Buch »Befehl
im Widerstreit - Schicksalsstunden der deutschen Armee 1923 bis 1945«
nieder, damals traf er auch zum ersten Male mit Bundeskanzler Adenauer sowie dem späteren ersten
Verteidigungsminister Theodor Blank zusammen und
wurde »Ratgeber des Bundeskanzlers für Fragen der militärischen Sicherheit«, 1951 war er als deutscher Sachverständiger bei
den Verhandlungen über einen deutschen Sicherheitsbeitrag auf dem Petersberg
mit dabei, dabei arbeitete er eng mit dem früheren
Rommel-Stabschef Generalleutnant a. D. Dr. Hans
Speidel zusammen, den sich Adenauer
ebenfalls als militärischen Berater herangeholt hatte,
1952 erfolgte Heusingers Berufung zum
Leiter der militärischen Abteilung der »Dienststelle Blank«, aus der
später (las Bundesverteidigungsministerium hervorging
am 1. 11. 1955
wurde er als Generalleutnant reaktiviert und zum Vorsitzenden des
militärischen Führungsrates des Bundesverteidigungsministeriums eingesetzt, im Juni 1957 wurde Heusinger
1. Generalinspekteur der jungen Bundeswehr unter gleichzeitiger Beförderung
zum General, dieser Dienstgrad des sogenannten Vier-Sterne-Generals entspricht
dem früheren Generalobersten, damit hatte Heusinger mit sechzig Jahren den
gleichen Rang erreicht, wie ihn am Ende ihrer soldatischen Laufbahn die Chefs
der Heeresleitung in der Reichswehr (von Seeckt, Heye und Freiherr vor
Hamerstein) bekleideten, so hatte er von den ersten Anfängen an maßgeblichen
Anteil am Aufbau der Bundeswehr, unter ihm vollzog sich die gliederungsmäßig
wichtige Umformung der Kampfgruppen in Brigaden, für die wachsende Bedeutung
der Bundeswehr innerhalb der NATO und die persönliche Wertschätzung Heusingers bei den NATO-Partnern spricht es, daß
er im Dezember 1960 in geheimer Wahl einstimmig
zum neuen Vorsitzenden des NATO-Militärausschusses gewählt wurde, dieses hohe
Amt führte ihn am 1. 4. 1961 für fast drei Jahre
- über die offizielle Altersgrenze hinaus - nach Washington, der
Militäraussehuß ist das höchste, ständig tagende NATO-Gremium, in dem alle
fünfzehn Mitgliedsstaaten vertreten sind
nach 49 Dienstjahren trat General Heusinger am 29. 2. 1964
- nunmehr im 67. Lebensjahr stehend - in den Ruhestand, er wurde mit einem
Großen Zapfenstreich verabschiedet und mit dem Großen Bundesverdienstkreuz mit
Stern und Schulterband ausgezeichnet, bereits 1960
war ihm einer der höchsten amerikanischen Orden, das Kommandeurskreuz der »Legion
of Merit«, verliehen worden, als Ruhesitz wählte er die Domstadt Köln,
auch nach seinem Ausscheiden wurde Adolf Heusinger
von den zuständigen Stellen immer wieder über seine Meinung zu aktuellen
Fragen der Landesverteidigung befragt
er ist am 30. 11. 1982
in Köln gestorben