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Alexander Newskij

 

"Er zeichnete sich durch heldenmütige Tapferkeit, kluges Benehmen und große Frömmigkeit aus"

heißt es in alten Chroniken und noch heute lebt sein Andenken nicht nur in zahllosen Liedern des russischen Volkes nach, sondern es wird auch vom offiziellen Sowjetstaat hochgehalten. Der Alexander-Newskij-Prospekt ist die schönste und längste Prachtstraße in der Stadt, wo er einst seinen großen Sieg erfocht: im heutigen St. Petersburg.
Alexander Jaroslawitsch, mit dem Beinamen "Newskij", gilt als einer der Vorkämpfer für den russischen Selbstbehauptungswillen, ja für die Entstehung des russischen Staates überhaupt.
Denn als Alexander am 30. Mai 1220 in Wladimir als Sohn des Fürsten Jaroslaw Wsevoldowitsch von Nowgorod zur Welt kam, gab es noch kein russisches Reich, sondern nur einzelne Fürstentümer, von denen das von Kiew das mächtigste war. Alle standen jedoch in mehr oder weniger großer Abhängigkeit von den Mongolen und Tataren, jener "Goldenen Horde", die 1224 aus den Steppen des Fernen Ostens hervorgebrochen war und nach und nach alle russischen Teilfürstentümer - mit Ausnahme der Stadt Nowgorod - unter ihre Botmäßigkeit gebracht hatte. Die Fürsten unterlagen dem Groß-Khan, der auch ihr oberster Richter war und durch seine Steuereinnehmer einen drückenden Tribut einhob. Das waren aber nicht die einzigen Feinde, vom Norden her suchten die Schweden immer wieder vorzudringen, aus Livland drangen die deutschen Schwertritter, die "Brüder der Ritterschaft Christi in Livland", erobernd vor, mit dem Ziel, den christlich-katholischen Glauben mit Feuer und Schwert in die Weiten des Ostens zu tragen.
Als Großfürst Jaroslaw 1236 Herrscher von Kiew wurde, überließ er seinem damals sechzehnjährigen Sohn das Fürstentum Nowgorod. Der kräftige, mutige junge Mann war als Schwertkämpfer ausgebildet, verstand aber auch mit seinen Bojaren umzugehen und den adeligen Bauern und Gemeinfreien, die ihm im Kriegsfall Heerfolge leisten mussten.
Allgemein galt im alten Russland ja noch die altgermanische Heeresverfassung, wie sie im 9. Jahrhundert durch die Normannen, die ersten Eroberer Russlands, ins Länd gekommen war. Es war jeder freie, waffenfähige Mann wehrpflichtig. Da aber in den weiten, menschenarmen Räumen eine Versorgung der Truppen nicht möglich war, folgten dem ritterlichen Aufgebot riesige Trosse, die den Heerzug schwerfällig und unbeweglich machten. Den Bojarenheeren fehlte überdies jede Taktik, man bildete in der Schlacht keine Reserven und die Angriffsform war immer noch der germanische "Eberkopf".
Der junge Fürst war gerade zwanzig geworden, als die Stunde seiner militärischen Bewährung schlug. Die Schweden hatten sich zu einem Reich zusammengeschlossen und waren bestrebt, ihr Territorium durch die Erwerbung des Tawastlandes (Mittelfinnland) und südfinnischer Gebiete zu erweitern. Papst Gregor IX. unterstützte sie dabei. Dagegen musste Alexander etwas unternehmen, denn es ging um nicht weniger als den Zugang seines Fürstentums zum Meer. Als die Schweden die Newa überschreiten wollten, trat ihnen der junge Großfürst an der Spitze seines Heeres entgegen und schlug sie am 15. Juli 1240 nach blutigem Ringen zurück - an der Stelle, wo viel später St. Petersburg entstand. Dieser Sieg trug ihm den Beinamen "Newskij" - das heißt etwa "Sieger an der Newa" - ein.
Seine nächsten Gegner waren die deutschen Ordensritter. Zehn Jahre vorher, 1230, war der Orden, einst auf den Kreuzzügen in Palästina gegründet und nun gewissermaßen "arbeitslos", vom polnischen Herzog Conrad von Masowien ins Land gerufen worden, um das katholische Fürstentum gegen die Einfälle der heidnischen Borussen (Preußen) zu schützen. Der Herzog hatte den deutschen Rittern das Culmerland zugewiesen und Kaiser Friedrich II. bestätigte dem Orden diesen Besitz als Reichslehen. Überall, wohin die Ritter kamen, legten sie Burgen an Thorn, Marienwerder, Elbing, Culm, Königsberg -, in deren Schutz auch jene niederdeutschen Bauern siedeln konnten, die dem Orden auf dem Zug nach Osten gefolgt waren, denn als katholische Ordensleute durften die Ritter ja keine Familien gründen.
Um so größer waren ihre militärische Tüchtigkeit und ihr organisatorisches Talent. Unter dem Großmeister Hermann von Balk eroberten sie bald die gesamte südliche Küste der Ostsee. Als 1237 auch der Schwertritterorden, die Männer mit den roten gekreuzten Schwertern auf dem Ordensmantel, nach der Unglücksschlacht von Bauske (1235) im Deutschritterorden aufging, fielen diesem auch die Städte Reval (Tallin), Riga, Libau und Windau zu.
Die Ordensritter kämpften mit der Lanze und dem langen blanken Schwert.
Ihre Rüstung bildete der damals übliche knielange Kettenpanzer, darüber trugen sie den weißen Ordensmantel mit dem schwarzen Malteserkreuz. Sie waren mehr oder weniger Einzelkämpfer, was sie indessen von anderen Ritterheeren ihrer Zeit unterschied, war die viel größere Disziplin, die sie als Ordensgeistliche ihren Oberen auch im Schlachtgetümmel schuldig waren. Kein Wunder also, dass der Ritterorden in wenigen Jahrzehnten die slawischen Volksstämme unterwarf, christianisierte und germanisierte.
An den Ufern der Weichsel, der Memel und der Newa baute der Orden ein blühendes deutsches Land auf, bewohnt von fleißigen Menschen, das erst siebenhundert Jahre später, im Frühjahr 1945, in Schutt und Asche sank und dann von den Slawen wieder in Besitz genommen wurde.
Nach seinem Sieg über die Schweden an der Newa war Newskij mit den reichen Nowgoroder Bürgern in Streit geraten und hatte sich grollend in sein Stammfürstentum Peresjaslawl zurückgezogen, doch dort erreichte ihn bald der Hilferuf der Nowgoroder, denn die, deutschen Ordensritter waren wieder im Vormarsch und hatten schon südlich des Peipus-Sees zwei russische Landstädte erobert. Alexander rief seine Druschina (Gefolgschaft) zusammen und zog für die bedrängten Nowgoroder ins Feld.
Anfang April 1242 standen sich die Heere an den Ufern des immer noch zugefrorenen Peipus-Sees gegenüber: das kleine Ordensheer mit nur wenigen Kriegsknechten, aber verstärkt durch die litauische und lettische Ritterschaft und die zahlenmäßig weit stärkeren Russen Alexanders mit Tausenden gewappneter Bojaren, Gemeinfreien und Knechten sowie ihrem unübersehbaren Tross. Der 75 Kilometer lange und 53 Kilometer breite See, dessen Abfluss in den Finnischen Meerbusen mündet, war damals die wichtigste Verbindungsstraße zwischen den Ostseehäfen und dem Inneren Russlands.
Vor dem Waffengang am Morgen des 5. April knieten die Heere nieder, die Ordensritter sangen das "Kyrie Eleison" und verziehen ihren Feinden. Die orthodoxen Bojaren erflehten den Schutz der Madonna von Kiew.
Alexander Jaroslawitsch hatte sein Fußvolk am Seeufer in Keilen und "Schweinsköpfen" aufgestellt, dahinter stand die Druschina in drei Treffen. Auf dem linken Flügel hatte der Fürst seine engsten Freunde und Landsleute um sich geschart.
Über den Peipus-See trabte nun das deutsche Ordensheer heran, selbstbewusst und im Vertrauen auf ihre überlegene Waffentechnik griffen die Ritter an, ritten das Fußvolk mühelos nieder und durchbrachen die Front. Dann allerdings kam der Angriff ins Stocken, das steile Seeufer konnten die schweren Schlachtrösser der Ordensritter nur schwer erklimmen, Alexanders große Chance war da. An der Spitze seiner Druschina stürmte er in die Flanke des Ritterheeres. Seinem Beispiel folgte das ganze russische Aufgebot. Die große Zahl der russischen Kämpfer konnte nun die schmale Angriffskolonne der Ritter in die Zange nehmen und Mann für Mann niederkämpfen, 500 deutsche Ritter blieben tot auf der Walstatt, 50 wurden gefangen. Den Deutschen gewährte Alexander in ritterlicher Manier Gnade und ließ sie mit ihren Knechten, Waffen und Pferden frei abziehen; die gefangenen Estländer ließ er dagegen allesamt noch am selben Tag aufhängen, da er sie als abtrünnige Untertanen ansah.
Durch diesen Sieg verbreitete sich sein Ruhm über ganz Russland, er galt als der Retter des Vaterlandes und des orthodoxen Glaubens. In den folgenden Jahren verteidigte Alexander Newskij immer wieder die nordwestlichen Grenzgebiete seines Reiches, vor allem aber die Ostseezugänge, wobei er zahlreiche Verwundungen davontrug. 1250 wurde er Großfürst von Kiew und kurz darauf nachdem er seinen Bruder Andreas vertrieben hatte - auch von Wladimir-Susdal.
Er war nun der mächtigste Herrscher Russlands. Unter seiner Führung entstanden das erste russische Nationalgefühl und ein spezielles russisches Heerwesen, als Klammer diente dazu die russisch-orthodoxe Kirche. 1251 machte Papst Innozenz IV. zwar den Versuch einer Wiedervereinigung der römischen mit der orthodoxen Kirche, den Alexander aber zu verhindern wusste.
Doch Alexander Newskij war nicht nur Heerführer, sondern auch ein bedeutender Politiker, was sein geschicktes Taktieren zwischen seinen zahlreichen Widersachern, den deutschen Ordensrittern, den Schweden, den katholischen Bischöfen Litauens und den immer misstrauischen Mongolen, beweist. So musste er 1257 schweren Herzens sein geliebtes Nowgorod an die Tataren ausliefern, mit denen er sich immer wieder um ein gutes Verhältnis bemühte.
Der Aussöhnung der Russen mit den Mongolen galt auch seine letzte politische Aktion: Als seine Landsleute in Susdal einige tatarische Steuereinnehmer erschlagen hatten, eilte er zum Khan Berke, um ihn zu beruhigen. Auf dem Rückweg - am 14. November 1263 - starb er plötzlich und unerwartet an den Ufern der Wolga.
Alexanders Sohn Daniel gründete 1280 das Großfürstentum Moskau, das zur Keimzelle des Zarenreiches und der späteren Supermacht Sowjetunion wurde.
 

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