Albrecht Theodor Emil von
Roon wurde am 30. April 1803 als Sohn
eines Offiziers und Gutsbesitzers in Pleushagen bei Kolberg geboren. Getreu
der Familientradition trat er 17jährig als Offiziersaspirant in die preußische
Armee ein und wurde Leutnant in einem Kolberger Infanterieregiment. Dank
seiner raschen geistigen Auffassungsgabe und seines überragenden militärischen
Könnens wurde er schon nach kurzer Dienstzeit Premierleutnant. Im Jahre 1836 wurde er in den Großen Generalstab nach
Berlin berufen und zum Kapitän (Hauptmann) befördert.
Von Roon gehörte hier
zur Abteilung des Unterrichts- und Bildungswesens der Armee. 1837 kam er zur
Ober-Militär-Examinierungskommission, einer Abteilung, die junge
Offiziersaspiranten, Fahnenjunker, Fähnriche, Leutnante und
Generalstabsoffiziere prüfte.
Im Jahre 1844 wurde
Major von Roon als Lehrer an die Kriegsschule in
Berlin versetzt, hier wurde Prinz Friedrich Karl,
der spätere Armeeoberbefehlshaber, auf den Major aufmerksam und ernannte ihn
zu seinem Begleitoffizier (Ordonnanzoffizier). Roon begleitete den Prinzen auf
mehreren Reisen und lernte so viele Standorte und Garnisonen Preußens und des
Auslandes kennen. Drei Jahre später ging Roon zur Truppe zurück und wurde als Gehilfe des
1. Generalstabsoffiziers zum VIII. Armeekorps in Köln kommandiert, der 1.
Generalstabsoffizier war Major von Moltke, der
spätere Feldmarschall.
Moltke und Roon nahmen in diesen Dienststellungen am Feldzug
gegen die Revolutions-Truppen des Großherzogtums Baden teil, Moltke, der dann in den Großen Generalstab nach
Berlin zurückversetzt wurde, machte Roon den Weg
zum 1. Generalstabsoffizier des VIII. Korps frei, dieser wurde Obristleutnant
und im Jahre 1849 Chef des Generalstabes des
VIII. Armeekorps.
Roon verblieb in
dieser Dienststellung einige Jahre, wurde 1851 Oberst und 1856 Brigadegeneral,
als solcher führte er vorübergehend eine Brigade und anschließend eine
Division seines Korps.
Während der Dienstzeit als Generalstabschef des VIII. Korps hatte Roon für
seine ihm unterstellten Verbände nicht nur neue Dienstreglements aufgestellt,
sondern war mehr und mehr für eine Heeresreform großen Stils eingetreten,
diese Reform sollte gleichzeitig eine Erneuerung der konservativen
Staatsanschauung zugunsten der Krone hervorbringen.
Der König von Preußen und sein mächtigster Berater Bismarck wurden deshalb auf
den General in der Provinz aufmerksam und beriefen diesen 1859 nach Berlin
zurück. Der König betraute den Generalleutnant
von Roon am 5. Dezember 1859 mit den
Geschäften des Kriegsministers, damit trat Roon
in die Öffentlichkeit und wurde zu einer der markantesten Persönlichkeiten
Preußens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Generalleutnant von Roon, der neben dem Kriegsministerium gleichzeitig noch
als Marineminister fungierte, war außerdem Chef des Direktoriums des großen
Militärwaisenhauses in Potsdam. Als Kriegsminister verfocht er nun seine
angestrebten Heeresreformen sowie eine Vertiefung des monarchischen und
nationalen Bewusstseins in allen Schichten der Bevölkerung, so fand er den Weg
zu Bismarck und beide wurden Freunde. Auf Roons Drängen ernannte der König
1862 Bismarck zum Ministerpräsidenten.
Es gelang Roon in den
nächsten Jahren, die Heeresreform so weit durchzuführen, daß eine
Umorganisation des gesamten Heeres erfolgte, die Bewaffnung wurde verbessert,
die Rüstungsindustrie vorangetrieben, der Ausbildungsstand auf neueste Formen
und nach neuesten Erkenntnissen entwickelt, die Ergänzung des Personalbestands
reorganisiert und das Ersatzwesen neu gegliedert.
Roon arbeitete überdies ausgezeichnet mit dem Generalstabschef des Heeres,
General von Moltke, zusammen. Das Dreigespann Bismarck, Moltke und Roon schuf die Voraussetzung für die
militärischen Siege der preußischen Armee in den Kriegen
1864, 1866 und
1870/71.
Roon, der bereits nach dem
deutsch-österreichischen Krieg zum General der Infanterie ernannt worden war,
wurde vom König von Preußen und jetzigen deutschen Kaiser Wilhelm I. nach dem Friedensschluss mit den
Franzosen 1871 in den Grafenstand erhoben.
Nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges gab Roon das
Marineministerium ab, um sich ganz der Entwicklung einer deutschen Armee zu
widmen, denn als preußischer Kriegsminister war er in einem kommenden Krieg
oberster Kriegsminister des Deutschen Bundes.
Bereits 1871
wurde er als Bevollmächtigter des Königreiches Preußen in den Bundesrat des
Deutschen Bundes delegiert, der König ernannte ihn zusätzlich zum Chef des
ostpreußischen Füsilierregiments 33.
Kriegsminister Graf
von Roon wurde mit den höchsten Orden ausgezeichnet, die Preußen damals
zu vergeben hatte, er trug den Schwarzen Adlerorden mit Kette und das Rote-Adlerorden-Großkreuz mit Eichenlaub und Schwertern und mit Schwertern am
Ring.
Fürst Bismarck, dessen Innenpolitik nicht immer auf die Gegenliebe der übrigen
deutschen Bundesstaaten stieß, musste das Amt des preußischen
Ministerpräsidenten 1872 abgeben. Er veranlasste, daß Kriegsminister Graf Roon dieses Amt übernahm,
dieser trat im Januar 1873 als Präsident an die Spitze des preußischen
Staatsministeriums, doch bereits im November 1873 legte er das Amt des
Ministerpräsidenten und das des Kriegsministers nieder. Der Kaiser beförderte Roon anlässlich seiner Verabschiedung zum
Generalfeldmarschall.
Roon starb am 23. Februar 1879.