
Schlacht bei Groß-Görschen
Kaiser Napoleon
rückte Ende April 1813 mit seiner
neuaufgestellten Armee über Weissenfels nach Leipzig, die verbündeten Armeen,
die seit kurzem unter dem Oberbefehl des russischen Generals Graf Wittgenstein standen, erkannten die
Vormarschbewegungen der Franzosen, die beiden zwischen Pleiße und Elster im
Ruhelager befindlichen preußischen Korps unter dem Befehl der Generale Blücher und Yorck
gerieten in Gefahr, von den napoleonischen Truppen überrannt zu werden, doch
es gelang den preußischen Truppen trotz anstrengenden Nachtmarsches der
vorübergehend zu Stockungen der ineinander verkeilten Verbände führte, am
Morgen die Gegend zwischen Groitzsch und Pegau zu erreichen, hier hatten sich
inzwischen Zar Alexander von Rußland und König Friedrich Wilhelm III. von Preußen
eingefunden, die den Vorbeimarsch der preußischen Regimenter abnahmen
eine als Spähtrupp vorausgeschickte Eskadron
der Garde du Corps klärte bis Groß-Görschen auf und stellte anmarschierende
französische Truppen fest, nach Gefangennahme eines feindlichen Soldaten
wusste man, daß es sich um die Armee des Marschalls Ney
handelte, daraufhin nahmen die preußischen Korps sofort Aufstellung zur
Schlacht, diese Vorbereitungen dauerten ziemlich lange und führten dazu, daß
sie von den Franzosen erkannt wurden, endlich waren die Truppen bis zum Mittag
des 2. Mai so geordnet, daß man mit dem Angriff beginnen konnte, das Korps
Blücher stand mit den beiden Brigaden der Generale
von Zieten und Klüx im vordersten Treffen, dahinter hatte das
Korps des Generals von York Aufstellung genommen,
dem sich an der rechten Flanke das russische Korps des Generals Berg anschloss, das zweite russische Korps unter
General Wintzingerode war zum Schutz des
Hauptquartiers der beiden Monarchen und des Truppenoberbefehlshabers
bereitgestellt
General Graf Wittgenstein
erteilte genau 12 Uhr mittags dem General Blücher
den Angriffsbefehl mit den Worten: »Mit Gottes Hilfe vorwärts!« 30
Geschütze der preußischen Artillerie eröffneten die Schlacht mit einem
Feuerüberfall auf das Biwak der Franzosen in Groß-Görschen, nach dem
Feuerschlag traten die beiden preußischen Korps in breiter Front zum Sturm an,
schlesische Schützenbataillone und das freiwillige Jägerdetachement des
preußischen Adels nahmen im ersten Schwung den strategisch wichtigen Hohlweg
südlich von Groß-Görschen, die französischen Verteidiger wurden geworfen, die
nachfolgenden westpreußischen Regimenter Nr. 6 und 7 stießen durch die
entstandene Lücke, drangen bis zum Dorfrand vor und konnten hier zwei
Geschütze erbeuten, dann begann der Kampf Mann gegen Mann, die Franzosen
verteidigten sich sehr tapfer und wehrten jedes weitere Eindringen der Preußen
in das Dorf erbittert ab, bald stand Groß-Görschen in einer Feuerlohe; jedes
Gehöft brannte

die Brigade des Generals
Klüx kam nicht mehr weiter, nun befahl Blücher
den Entlastungsstoß durch die Truppen des Generals
von Zieten, da nun auch weitere
französische Verbände des Generals Marmont im
Anmarsch auf Groß-Görschen, Klein-Görschen, Rahna und Kaja gemeldet waren. da
wurde die bisher als Reserve zurückgehaltene preußische Kavallerie unter dem
Befehl des Prinzen Wilhelm - Bruder des Königs
zum Gegenangriff angesetzt, es gelang zwar den Franzosen, noch schnell in
Stellung zu gehen und ein Karree zu bilden, doch, dann waren die
Reiterregimenter heran, diese stürzten sich sofort in die französischen
Scharen, entrissen ihnen im ersten Anlauf zwei Geschütze und sprengten das
Karree auf, damit wurde Entlastung für die Brigade des Generals Klüx gebracht, die nun wieder Luft schöpfte,
gleichzeitig konnten die Regimenter des Generals von
Zieten Boden gewinnen und griffen die auseinandergesprengten
französischen Regimenter an, das Dorf Klein-Görschen wurde von den
schlesischen Regimentern 10 und 11 genommen, die dann noch auf Rahna
vorstießen und auch dieses Dorf in ihren Besitz brachten
Kaiser Napoleon,
der die Masse der preußischen und russischen Truppen bei Leipzig erwartete und
durch seine Vorhuten Verbindung mit dem Detachement Kleist bei Lindenau
aufgenommen hatte, wurde durch die ersten Meldungen von der Schlacht bei
Groß-Görschen vollkommen überrascht, der Kaiser fasste sich aber schnell,
drehte seine Armee um und befahl: »La garde au feu!« (»Die Garde ins
Feuer!«) Marschall Ney hatte inzwischen einen
genauen Überblick über die Lage erhalten und alle erreichbaren französischen
Regimenter zusammengefasst, um einen Widerstandsriegel aufzubauen, an dem sich
die preußischen und russischen Angriffe totlaufen sollten, er befahl aus der
Bewegung heraus den Gegenangriff aller napoleonischen Truppen, diese griffen
unter dem Signal der Clairons mit wehenden Fahnen an und konnten die Preußen
aus Klein-Görsehen und Rahna vertreiben, General Blücher
musste seine letzte Reserve, die Gardebrigade des Generals von Roeder, einsetzen, wenn er nicht eine
Niederlage erleiden wollte, Blücher befahl dem
Garde-Füsilierbataillon persönlich, Rahna zu umgehen und Kaja zu nehmen,
während sich die übrigen Garderegimenter gegen Groß-Görschen entwickeln
sollten, König Friedrich Wilhelm III. schloss
sich dem Angriff seiner Gardefüsiliere an
General von Zieten
erkannte von sich aus die Gefahr, in der die Truppen
Blüchers schwebten, er organisierte auf dem Schlachtfeld seine
Regimenter um und setzte sie nun gleichfalls gegen Groß-Görschen an, der Prinz von Hessen-Homburg übernahm persönlich die
Führung der Voraustruppen und attackierte mit ihnen frontal die französischen
Stellungen, dabei wurde der Prinz tödlich verwundet, die Preußen kamen zwar
zum zweiten mal bis in das Dorf, doch die Franzosen verteidigten sich genau
wie am Mittag mit derselben Verbissenheit und Tapferkeit, der Dorfkampf Mann
gegen Mann währte noch Stunden; keiner gab Pardon, die Schlacht schien sich
gegen Abend zugunsten der Preußen zu entwickeln, als General von York seine letzten Reserven an Groß-Görschen
heranbrachte
da aber wurde von den zur Aufklärung gegen
Leipzig entsandten Eskadrons der Anmarsch der Hauptarmee unter Kaiser Napoleon gemeldet, das verbündete
Oberkommando musste daraufhin die Schlacht abbrechen und die eigenen Truppen
auf ihre Ausgangsstellungen zurückziehen, die Kavallerieregimenter des Prinzen Wilhelm von Preußen verschleierten in der
beginnenden Nacht das Absetzen der eigenen Verbände
die Schlacht von Groß-Görschen hatte keinen
Sieger; sie endete unentschieden, Preußen und Russen wussten aber, daß die
früheren Niederlagen von Jena und Auerstedt sich nicht mehr wiederholen würden
und daß sie in der Lage waren, Kaiser Napoleon
endlich Halt zu gebieten