Focke Wulf FW 58 "Weihe"

 

 

 

 

Mit Aufstellung der neuen Luftwaffe machte sich zunehmend der Mangel an einem geeigneten Mehrzweckflugzeug bemerkbar, um die Umschulung auf zukünftige schnelle Kampfflugzeuge, sowie die Ausbildung der Bombenschützen, Bordfunker und MG-Schützen zufriedenstellend durchzuführen.
So gab das RLM im August 1933 eine Ausschreibung für ein schnelles, leichtes und doch wirtschaftliches Mehrzweckflugzeug an die Industrie heraus. Bereits am 27.02.1934 konnte das 1. Attrappenmuster der Firma Focke Wulf in Bremen besichtigt werden. Wiederum ein Jahr später flog das erste Versuchsmuster, die FW 58 V1 (Konstrukteur Dr. Kurt Tank) mit dem Kennzeichen D-ABEM (siehe Bild). Gleichzeitig wurde auch das Konkurrenzflugzeug die Arado Ar 77 ins "Rennen" geschickt. Jedoch entschied man sich seitens des RLM für die FW 58 und führte diese als "Weihe" in die Luftwaffe ein.

Die Grundmuster A und B wurden vorwiegend für die militärische Ausbildung beim Bombenabwurf und für die Ausbildung an den Waffenständen A und B mit dem MG 15 verwendet.
Das Grundmuster C wurde für die Funker-Ausbildung verwendet und ab Einbau einer Doppelsteuerungsanlage auch für die Pilotenausbildung.
Durch Umrüstung und Sonderkonstruktionen wurde die FW 58 weiterhin auch als Aufklärungs-, Luftbildvermessungs-, Sanitätsdienst-, Post- und Forstflugzeug zur Schädlingsbekämpfung  (Versuche 1944) verwendet. Es gab ebenfalls Versuche die FW 58 in ein Tandemflugzeug umzuwandeln um damit Bunker an der Magienotlinie zu bekämpfen. Aufgrund des erheblichen Gewichtzuwachses wurde diese Versuche jedoch eingestellt.

Zwischen 1935 und September 1943 wurden 1663 Maschinen des Typs FW 58 an das RLM übergeben, wovon 319 an verbündete oder befreundete Staaten abgegeben wurden. Gebaut wurde das Flugzeug neben Focke Wulf in Bremen, auch bei den Formen Fieseler, Gotha und MIAG (Mühlen und Industriebau AG in Braunschweig) in Lizenz. Nachdem die Produktion auf die Me 110 umgestellt wurde gab die MIAG die Produktion der FW 58 an die Firma Luther in Braunschweig weiter. Auch wurden FW 58 auf Lizenz im Ausland hergestellt, wobei die Anzahl der gebauten Flugzeuge nicht genau zu bestimmen ist, man geht aber von 200 - 300 Stück aus.

Technische Daten:

Verwendungszweck: Übungsflugzeug für Bombenwurf- und MG-Schützenausbildung
Bauform: Zweimotoriger, halbabgestrebter Tiefdecker mit Einziehfahrwerk und einfachem Seitenleitwerk; Ausrüstung mit Schwimmern möglich
Fluggewicht: 2930 kg
Waagrecht-Höchstgeschwindigkeit: 265 km/h
Gleitgeschwindigkeit: 365 km/h
Motoren: Baumuster: Argus As 10C, Baureihe 3
Zylinderzahl: 8
Zylinderanordnung: V-hängend
Leistung: 240 PS bei n=2000U/min
Anzahl: 2
Luftschrauben: Baumuster: Schwarz oder Schäfer
Baustoff: Holz
Anzahl: 2
Im Notfall Verwendung von Luftschrauben des Baumusters FW56 (Drehzahlen liegen 150 - 200 U/min höher)
Festigkeit: Bestimmung für Verwendungsgruppe 3 und Beanspruchungsgruppe 3
Flugeigenschaften: a) Start und Steigen
kurzer Start, Abheben ohne Landeklappen nach 210 m, gute Steigleistungen, Steigen mit nur einem Motor bis auf 1000m möglich

b) Verhalten bei freiem Steuern
bei freien Quer- bzw. Seitensteuer jede Lage möglich, Kurvenwechsel von einer Steilkurve in die nächste, mit nur einem Ruder auch bei Ausfall eines Motors möglich; Bei Ausfall des Höhenruders, Landung auch mit Höhentrimm möglich

c) Verhalten des Flugzeugs bei ausgefahrenen Landeklappen
im stark gezogenen Zustand behält es bei einer Geschwindigkeit von 70 - 90 km/h (Staudruckanzeige) die volle Steuerbarkeit auf sämtlichen Rudern, wird es für eine Fluglage mittels Trimmklappen ausgetrimmt, so können alle drei Ruder freigegeben werden, ohne das es Neigung zeigt in eine unnormale Fluglage überzugehen

d) Landeeigenschaften
Flugzeug lässt sich mit gezogenen Landeklappen und sehr geringer Geschwindigkeit bei jedem Wetter im steilen Gleitflug an den Boden heranbringen, nach kurzem Abfangen (große Ruderwirkungen vorhanden) Stillstand des Flugzeuges

e) Notlandung
Flugzeug kann bei Notfällen auch, aufgrund der guten Ruderwirkung, bedenkenlos ohne Fahrwerk gelandet werden, Beschädigungen verhältnismäßig gering, Neigung zum Überschlagen nicht vorhanden, Gleitstrecke beträgt ca. 30m

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